INT | Ziegelwerk mit Ringofen | um 1910

Undatierte Foto-Postkarte eines Ziegelwerk-Areales, wohl um 1910 [1]. Zu sehen sind:

  • Ziegelteich im Vordergrund
  • Frischgeschlagene Ziegel zum Trocknen  / Mittelgrund und rechter Vordergrund
  • Überdachte Trockenstapel für Aufbewahrung bis zum Brand / Mitte und links
  • Holzummantelter Hoffmannscher Ringofen mit mächtigem Kamin
  • Wäscherinnen oder Zieglerinnen beim Waschen

Wer hat Hinweise auf den Standort? Provenienz der Fotokarte: Tirol

Quelle:

[1]: Foto-Postkarte mit maskierter Belichtungsfläche 108 x 78 mm, ohne Beschriftung. Eigentum schlot.at-Archiv (2017)

CZ | Šatov | Poštorenské keramické závody n.p., závod 2

Kurze Keramikgeschichte von Šatov:

Die Ortschaft Šatov nahe der tschechischen Grenzstadt Znojmo weist eine sehr lange Tradition in der Erzeugung von hartgebrannten Keramikerzeugnissen wie Klinkern und Bodenfliesen auf. In den Großstädten der Monarchie, in den südmährischen Dörfern und den Ortschaften des Weinviertels finden sich vielerorts noch heute die ockerfarbigen Klinker, die zur oftmals zur Straßenbefestigung und noch häufiger als Auskleidung für den Übergangsbereich zwischen Gehsteig und Straße genutzt wurden. In kaum einem Wiener Gründerzeithaus fehlen die charakteristischen Bodenfliesen aus der Gegend von Šatov, die es in und Formen und mit teils bunten, kunstvoll gestalteten Jugendstil-Ornamenten gibt.

Lokalaugenschein:

schlot.at (wh/mm) war auf der Spurensuche in Šatov und hat außer zwei verfallenden hölzernen Trockenhütten aus der Urzeit der Schattauer Ziegel- und Keramikproduktion nur noch verfallende Hallen eines nach dem Krieg neu errichteten kommunistischen Klinkerwerkes (Poštorenské keramické závody n.p.) vorgefunden. Nach höflicher Anmeldung beim Portier (das alte Direktionshaus ist noch bewohnt) durften wir ins Gelände.

Baulichkeiten:

Die Fabrik besteht im Wesentlichen aus vier der längs aneinander gefügten Hallen A-D von je 20m Breite. Die Hallen A-D haben – von Ost nach West gesehen – in etwa folgende Längen: A-70m, B-210m, C-150m, D-60m. Die Dachhöhe kann mit etwa 8m angegeben werden.

Nördlich an die Hallen A-C angrenzend liegt der zweigeschossige Verwaltungstrakt V.

Halle A beinhaltet einige Autowracks sowie einen Steuerungsraum mit einem Werksplan (siehe Fotos).

In der Mitte der Hallen verlaufen Gleise. Die Produktion dürfte mittels maschinellem Durchschieben von vorgefertigten Keramikstücken durch stationäre Öfen erfolgt sein. Auf dem bereits erwähnten Plan sind eine Vielzahl von Be- und Entlüftungen und unterschiedliche Profile am Produktionsstrang eingezeichnet.

Am Nordende der leeren Halle B ist die Dachhöhe mit ca. 20m anzugeben. Hier war laut einem schematischen Maschinenplan der Fa. Industrieofenbau Ludwig Riedhammer, Nürnberg, ein Ofen mit weit über die Produktionsstrecke hinausreichendem Blechkamin angebracht. Da das Dach in diesem Teil der Halle B zwei runde, abgedeckte Ausnehmungen von je ca. 5 m Durchmesser ausweist, darf das frühere Vorhandensein von zwei Kaminen angenommen werden. In diesem erhöht gedeckten Teil der Halle B sind mächtige Maschinenfundamente unterbracht. Allem Anschein nach war in der Halle B/Nordteil die Hauptfeuerung für die Keramikproduktion untergebracht.

In der Mitte der Halle C liegt offensichtlich Rohmaterial für die Klinkerproduktion in Form eines Lehmberges.

In Halle C und Halle D ist eine Unterkellerung zu erkennen, an Halle D grenzt nördlich ein dreigeschossiger Verwaltungstrakt an.

Am Südrand der Halle B liegt im Freien eine Vielzahl an Schamottsteinen, die offenbar aus der ehemaligen Ofenauskleidung stammen. Sie tragen teils italienische Firmenstempel (wh).

Im Freigelände lagern teils halbfertige Klinker, die noch nicht hartgebrannt und in ihrem aussehen gewöhnlichen Ziegeln ähneln. Ferner sind zwei kleine Ziegelaufzüge und die erwähnten feuerfesten Steine gelagert. Um die Hallen herum bestehen teils befestigte Wege. Das Gelände liegt unmittelbar westlich des Bahnhofes von Šatov.

Unternehmen – Details:

Den im devastierten Verwaltungstrakt vorgefundenen und teilweise angebrannten Unterlagen zufolge dürfe diese Fabrik nach dem 2. Weltkrieg als „Fabrik 2 – Šatov“ im Werkbund der Poštorner Keramikfabriken (Poštorenské keramické závody n.p.) geführt worden sein. Weitere Standorte waren laut den vorort gesichteten Unterlagen Břeclav-Poštorná und Znojmo-Lechovice.Projektunterlagen über eine neues Keramikwerk in Šatov (offenbar der hier dokumentierte Fabriksbau) datieren mit Ende der 1960er Jahre.

Die meisten aufgefundenen Belege (Stechkarten, diverse Arbeitslisten) stammen aus den 1970er Jahren, die jüngste Stechkarte datiert mit 1992. Vorort ausgewertete Unterlagen (Lohnlisten, Stechkarten) vom August 1972 weisen 97 Arbeiter, davon 26 weiblich aus. Im Februar 1988 waren 122 Personen, davon 53 weiblich im Beschäftigungsstand des Werkes Šatov.

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AT | SP | Lendorf an der Drau | Ringofenziegelei Karl Kapeller, Feiertagsziegel

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Seltener Urlaubsfund aus Petschnitzen, Bezirk Villach Land. Bei dem abgebildeten Dachziegel [1] handelt es sich um einen sogenannten Feiertagsziegel. Zu besonderen Anlässen verewigten sich Ziegelarbeiter mit mehr oder weniger orthographischen Kenntnissen im noch weichen Ton, also im Zuge der Lagerung der geschlagenen Ziegel in den Trockenhütten vor dem Brand. Es wurde üblicherweise mit Draht oder Ästen geschrieben.

Am hier gezeigten Exemplar, das wohl die Rückkehr eines Gesellen von der Walz dokumentieren soll, steht in Schreibschrift vermerkt:

 „Nach langen Reisen kehr ich zurük in die Lendorfer Ziegelfabrik   – Jakob Färber“.

Laut Angabe des Eigentümers Johann MIKL [2] kamen dieser und noch mehrere „nicht jugendfrei“ beschriftete Dachziegel aus den frühen 1920er Jahren bei der Neudeckung eines Schuppens am eigenen Bauernhof in Petschnitzen, Bezirk Villach Land, zu Tage. Der Lehm für die „sehr bruchsicheren“ [2] und gut gebrannten Ziegel stammt aus der unmittelbaren Umgebung des Bauernhofes von MIKL. Gemäß mündlicher Tradierung wurde von seinem Großvater die Verbringung in das Ziegelwerk Lendorf zum Brennen veranlasst [2].

Die zeitgenössische Literatur [3,4] weist für Lendorf an der Drau eine Ringofenziegelei Karl KAPELLER aus:

Daten 1925:

  • Lendorf im Drautal / Karl KAPELLER, Holzhandel, Ringofenziegelei [3].

Daten 1959:

  • Lendorf im Drautal / Karl KAPELLER, Ringofenziegelei, Möllbrücke 242, 21 Arbeiter [4]

Quellen:

[1] Foto schlot.at (2015)

[2] Freundliche Information von Johann MIKL, A-9581 Petschnitzen, Panoramaweg 28

[3] COMPASS VERLAG (1925): Industrie-Compass Österreich 1925/26, 296

[4] COMPASS VERLAG (1959): Industrie-Compass Österreich 1959, 408

AT | BR | Uttendorf | Wienerberger

In Uttendorf, Bezirk Braunau am Inn, bestanden 1959 zwei Ziegeleien. Eine davon lag im Ortsteil Sonnleiten (sicher nicht der gegenständliche Standort), der andere Standort (Dampfziegelei Goldberger & Co) in Uttendorf selbst [1].

Heute betreibt Wienerberger das Werk Uttendorf an der Adresse Schloßberg 5. Dort werden Ziegel und Wandklinker gelagert [2]. Auf einer amtlichen Karte (1999) ist das Ziegelwerk eingetragen und es sind umfangreiche Abbaugräben nordwestlich des heutigen Werkgeländes kartiert [3].

Danke für das Foto (2012) und den Hinweis auf die Ziegelei an Andrea-Patrizia Bauchinger.

Quellen:

[1]…Compass Verlag (1959): Industrie-Compass 1959 Österreich. Wien. 414

[2]…Webauftritt Wienerberger, 02.06.2012

[3]…BEV (1999): Österreichische Karte 1:50.000, Blatt 46 Mattighofen

AT | MI | Stützenhofen | Ziegelei Anton Mai / Rupert Eisinger

Kleine Ziegelei in der Gemeinde Drasenhofen mit teilerneuertem Kamin. 1925/26 als Ziegelei des Anton Mai mit Gründungsdatum 1901 verzeichnet. Es wurden von 15 Arbeitern Mauer- und Dachziegel erzeugt.  1959 ist in Stützenhofen die Ziegelei Rupert Eisinger nachgewiesen (ohne Gründungsjahr) [2]. Noch 2011 fimiert eine „Eisinger Ziegelwerk und Baustoffe KG“  in Stützenhofen 81. Mehr Info im Wiener Ziegelmuseum.

[1] Industrie-Compass Band I Österreich 1925/26, Compass Verlag Wien,  301

[2] Industrie-Compass Österreich 1959, Compass Verlag Wien,  414

AT | 1100 Wien | Wick und Schaefer GmbH

Kleiner Schornstein in der Laaerbergstraße 100, vielleicht ein Rest einer Maschinenfabrik.  Firmensitz der Wick&Schafer GmbH, eines spezialisierten Maschinenherstellers (Abfüllmaschinen und Verschließanlagen). Wer weiß mehr über den Standort?

Verortung folgt.

Fotos MM 2011.

AT | GR | Bad Schallerbach | Ziegelei Faßl

Ansicht von Bad Schallerbach und der dortigen Ziegelei Faßl anno 1930. Gut zu erkennen der Lehmschlag links des Hauptgebäudes. Sowohl online als auch in unseren analogen Quellen sind derzeit nur wenige Nachweise über die Ziegelei zu finden:

  • Bei der Gründung des ÖTB Bad Schallerbach 1924 spielte der Ziegeleibesitzer Franz Faßl eine wichtige Rolle [1]
  • In einem geologischen Forschungsbericht aus 1934 wird der Ziegeleiverwaltung für die Überlassung von Fossilfunden gedankt [2].
  • Am 09.03.1948 ist seitens der FF Bad Schallerbach ein Großbrand in der Ziegelei Faßl dokumentiert [3].
  • 1959 betrieb Franz Fassl [sic] eine Ziegelei und ein Sägewerk, ferner eine Bau- und Möbeltischlerei. [4]

Gründungs- und Schließungsdatum des Betriebes konnten noch nicht eruiert werden – kein Nachweis im Industrie-Compass 1925/26. – wir bitten unsere Besucher um Hilfe.

Anno 2011 weisen nur noch eine verwachsene Fläche (ehemaliger Lehmabbau) sowie der Name „Ziegeleistraße“ auf die ehemalige Grundstoffindustrie Bad Schallerbachs hin [5].

[1] ÖTB Bad Schallerbach – Chronik – 22.05.2011

[2] OÖ Landesmuseum – 22.05.2011

[3] FF Bad Schallerbach – 22.05.2011

[4] Industrie-Compass Österreich 1959, Compass Verlag, Wien. 400

[5] GPSies.com  – 22.05.2011

Kartenzitat: Fotokarte 140x91mm Nr. 29236 von P. Ledermann, Wien I., Fleischmarkt 20, gelaufen am 12.07.1930 von Bad Schallerbach nach Wien XV.

schlot_map (bei Google Maps)

Weiter…

A | St | LE | ehem. Ziegelei Schirnhofer / Dörfler, ca. 1945

Schlechte Fernaufnahme des ehemaligen Leobener Ziegelwerkes Schirnhofer / Dörfler, ca. 1945. Danke für die Zuordnung des Schlotes an Mag. Susanne Leitner-Böchzelt, Kunsthalle Leoben und Josef Hammerle. Der Schlot besteht nach Angaben von Mag. Susanne Leitner-Böchzelt noch und ist unter Denkmalschutz.

Das Erfreuliche ist, daß der Ziegelofen renoviert wird und der Schlot erhalten bleibt. Siehe die Site der Baukulturstiftung für aktuelle Bilder! Danke an Evi K. und ihren Freund für diesen Link.

Infos aus den Compassen 1959 und 1925/26 zu diesem Standort:

1959: Ziegelwerk Dipl.-Ing. Wilhelm Dörfler. Leoben, Ostererweg 2-10 (1876 gegründet). 30 Arbeiter, Elektromotor 80PS. Compass 1959, S408

1925: Ziegelwerk Wilhelm Dörfler, vormals J. Schirnhofer. Kaiser Josef-Park 12. 45-50 Arbeiter. Elektromotor 35PS. Compass 1925/26, S296

Foto im Eigentum schlot_archiv (2010).

schlot_map (bei Google Maps)

schlot.at – Ziegelarchiv

Im schlot.at-Ziegelarchiv sind mehr als 600 historische niederösterreichische Mauer- und Gewölbeziegel verzeichnet. Des Weiteren finden sich Wiener Ziegel und einige Ziegelprodukte aus der Steiermark, Tschechien und Ungarn.

Die Ziegelzeichen sind alphabetisch sortiert. Fundbezirk und Fundort stecken im Dateinamen und in den Schlagworten. Bei Fragen zur Bestimmung Ihrer Ziegel bitte posten.

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Die komplette Galerie ist auf der folgenden Seite zu finden …
Alle Fotos MM (2004-2005) Mehr von diesem Beitrag lesen

F | Briquerie Huguenot et Frères Pargny s. Saulx (Marne)

Wunderschöner Fabrikskatalog der mechanischen Ziegelei und Tonwarenfabrik Huguenot et Frères, Pargny-sur-Saulx.  Erscheinungsdatum um 1905. Katalog im Eigentum des schlot-Archives.

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Link zur Unternehmensgeschichte (fr.)

schlot_map (bei Google Maps)