AT | 1100 Wien | Holzwarenfabrik Lourié & Co.

Dieser Artikel ist einem klassischen Unternehmen der Hilfsindustrie gewidmet:

Die 1899 gegründete [5] Fa. LOURIÉ & Co. widmete sich Zeit ihres Bestehens der Herstellung von Holzverpackungen. Wir wurden auf das Unternehmen aufmerksam, da mehrere Holzkisten [1-4] aus unserem Archiv von dieser Firma mittels Blindprägung oder Farbstempel am Boden gemarkt wurden. Allen Produkten gemeinsam ist die tadellose Herstellung. Sämtliche Kistchen sind vernagelt [1-3] bzw. mittels Schränkung [4] hergestellt.

Folgende Nachweise und Beschreibungen der Fabrik liegen uns vor:

  • 1925: Lourié & Co., X., Bernhardsthalgasse 36, Holzbearbeitungsfabrik (1899). […] 400 Arb., Dampfmasch. 200 PS [5].
  • 1943: Pölzl u. Weigensamer Holzwerke, X/75, Bernhardsthalgasse 36 [6]
  • 1959: Lourié & Co., X., Bernhardsthalgasse 36, Sperrholz- und Holzwarenfabrik. […] 140 Arb., Dampf- und Elektr., 300 PS. Div. Holzbearbeitungsmaschinen. Erz.: Sperrholzplatten, Karteikästchen u. Kleinmöbel, Verkaufs- und Reklamekästen, Tassen, Wickelbrettchen, Zigarrenkisten, Lagerschachteln.[7]
  • 1979: kein Nachweis mehr [8]

Quellen:

[1+2]…Holzkisten/Bonbonnières für Victor SCHMIDT & Söhne/Bonbons surfins und Casino, Wien, Eigentum schlot.at-Archiv

[3]…Holzkiste für Obstkonservenfabrik D.&S. FALTICZEK, Wien, Eigentum schlot.at-Archiv

[4]…Archivkiste für Glaspositive der Österreichischen Lichtbildstelle, Eigentum schlot.at-Archiv

[5]…COMPASS-VERLAG (1925) Industrie-Compass Österreich 1925/26, S. 1249

[6]…Amtliches Fernsprechbuch Wien 1943, S. 297+383

[7]…COMPASS-VERLAG (1959): Industrie-Compass Österreich 1959, S. 1205:

[8]…COMPASS-VERLAG (1979): Industrie-Compass Österreich 1979, kein Nachweis

Frohe Festtage 2016/2017!

Frohes Fest und ein gutes Jahr 2017 wünschen Euch allen

  • Constanze Catharina CZUTTA
  • Werner HACKINSHOLZ
  • Christoph SCHWAIGER
  • Markus MRAZ

xmas_2016

AT | 1140 Wien | Färberei Seidel | ~1935

Abermals ein Zufallsfund eines Fotos [1], das einen uns schon lange bekannten Fabriksstandort in Wien 14, Deutschordensstraße 3, zeigt:

Färberei Seidel [2] bzw. Vereinigte  Färbereien A.G. [3], um  1935.

Faerberei_Seidel_Deutschordensstrasse

Die sehr schöne Website www.1133.at, die sich den ehemaligen Fabriken des Wientales widmet, berichtet über die Fabrik wie kursiv folgt:

Färberei Seidel

(14, Hackinger Straße 48, Deutschordenstraße 3)

In unmittelbarer Nachbarschaft der (in ihrem Ursprung auf das Mittelalter zurückgehenden) Hackinger Mühle befand sich auf Hackinger Straße 46 ein nicht zur Mühle gehörendes, um 1750 errichtetes ebenerdiges Haus. Darin richtete 1812 Louis Aumüller eine Baumwolldruckerei ein und stockte das Haus um ein Geschoß auf. Der Betrieb war nur mäßig rentabel, seine Besitzer wechselten alle paar Jahre. 1846 kaufte Gustav Seidel das Gebäude von Giuseppe Bossi und eröffnete darin 1860 eine Färberei und Mercerisiererei (=Stoffveredlung, benannt nach ihrem englischen Erfinder Mercer) ein. Gustav Seidel (*1816, †1887) stammte aus Reichenberg (Liberec) in Böhmen und war von 1878 bis zu seinem Tod auch Bürgermeister von Hacking, in deren Gemeindegebiet seine Fabrik lag (obwohl nördlich der Wien und heute 14. Bezirk). Er wohnte mit seiner Familie direkt neben seinem Fabrikbüro in der Deutschordenstraße 3. Nach 1850 kaufte er auch das gegenüberliegende Areal der Hackinger Mühle (Hackinger Straße 48) samt den noch darauf befindlichen Gebäuden, ausgenommen das Mühlenwirtshaus „Gasthaus zum Deutschen Orden“, welches die Färberei Seidel erst 1922 dazu erwarb. 1887 übernahmen die Söhne des Gründers, Gustav jun. (der sich schon 1896 zurückzog) und Moriz, die Färberei. 1889 wurde ihnen das Druckereigebäude (Hackinger Straße 46) zu eng, sie übersiedelten die Färberei zur Gänze auf das ehemalige Mühlenareal.

Nun begannen die Jahre des großen Aufschwunges der Färberei Seidel, ermöglicht durch die Hochkonjunktur der zu Ende gehenden Monarchie, die Gründerzeit. Neue Gebäude wurden zugebaut, darunter ein großes Direktionsgebäude und weitere Produktionshallen, Magazine, eine Wagenremise und ein Personalwohnhaus für Fabriksbeamte (Hackingerstraße 50). 1902 wurde der große Schlot gebaut, den die Firma Seidel auf ihrem Briefpapier stolz in stark rauchendem Zustand abbildete – als Zeichen der Prosperität, Umweltbewusstsein war damals noch ein Fremdwort. 1905/06 wurden die Betriebszweige Bleicherei und Appretur hinzugenommen und neben den Dampfmaschinen auch erste Elektromotoren eingesetzt. 1906 brachte Moriz Seidel den Hackinger Betrieb in eine groß angelegte Fusionierung mit folgenden Firmen ein: Hugo Stöhr in Röchlitz und Oberrosenthal, H. Schmidt & Co. in Reichenberg, J.H. Bornemann in Aussig (alle Orte in Böhmen). Zusammen bildeten sie nun die „Vereinigte Färbereien Aktiengesellschaft“ mit weiteren Filialfabriken in Hussowitz bei Brünn, Wöllersdorf (NÖ) und Kaisermühlen. 1910 hatte der Hackinger Betrieb etwa 300 Arbeiter. Nach dem Zerfall der Monarchie wurde dieser, heute würde man sagen Konzern, wieder in eine österreichische und eine tschechoslowakische Gesellschaft zerlegt, die letztere hieß „Vereinigte Färbereien Reichenberg“. Nach dem Ersten Weltkrieg kam beim Hackinger Betrieb noch Wäscherei und Walkerei dazu, dann war der Höhepunkt des Ausbaus erreicht. Offenbar als Folge der geänderten politischen Verhältnisse erfolgte 1940 eine neuerliche deutsch-böhmische Fusion. 1939 bis 1947 führte bereits der Enkel des Gründers, Ing. Moritz Seidel, die Geschäfte im Vorstand. 1946 wurden die in Böhmen gelegenen Betriebsteile von den Enteignungen bzw. Verstaatlichungen aufgrund der Beneš-Dekrete erfasst, einzig die Wiener Färberei blieb übrig.

Der 1933 verstorbene Moriz Seidel liegt zusammen mit dem Gründerenkel, Ing. Moritz Seidel, auf dem Ober St. Veiter Friedhof in einem noch bestehenden Grab, auf dessen Grabstein ein Metallrelief einen Färber darstellt, wie er einen Tuchballen in den Bottich taucht. Die Gesichter der abgebildeten Personen (Färber, kleines Kind) entsprechen den tatsächlichen Physiognomien der Geschwister des Ing. Moritz Seidel. Die letzte Beteiligung eines Familienmitgliedes am Betrieb war die Geschäftsführerschaft des studierten Textilchemikers Dr. Thomas Seidel von 1964 bis 1967.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren in Hacking einige Kriegsschäden zu beseitigen, da die Fa. Seidel wegen ihrer Nähe zur Bahn kleinere Bombentreffer abbekommen hatte. In den 1950er-Jahren gingen die Geschäfte sehr gut, besonders das Färben von Schistoffen (Schihosen), hier teilte man sich mit Winkler & Schindler praktisch den Markt auf.

1974 wurde nochmals ein bisschen umgebaut. Es hatte sich über Jahre hinweg bereits ein enormer Investitionsbedarf angestaut. In der Erkenntnis, die hohen erforderlichen Investitionen nicht mehr verdienen zu können, wurde die Fabrik 1978 geschlossen. 1981/82 erfolgte der Abbruch der Gebäude und der Neubau des Auslieferungslagers der Fa. Morawa. Nur das denkmalgeschützte ehemalige Gasthaus „Zum Deutschen Orden“ mit Baukern aus dem 17. Jh. musste stehen bleiben und wurde nach jahrelangen Auseinandersetzungen zwischen der Fa. Morawa und dem Bundesdenkmalamt schließlich 1995 renoviert – heute ist darin deren Verwaltung untergebracht.

Quellen:

[1]…Kontaktkopie 85×60 mm, Agfa Lupex, beschriftet mit „Wien XIII, Hackinger Kai 9“, Eigentum schlot.at-Archiv

[2]…www.1133.at, Färberei Seidel, 22.07.2016

[3]…Compass Verlag (1925): Industrie-Compass Österreich 1925/26, Wien. 1580

AT | 1020 Wien | Donauwerk Ernst KRAUSE & Co

Anbei eine kurze illustrierte Firmengeschichte für das Donauwerk Ernst KRAUSE & Co, [1-3], später die Ernst KRAUSE & Co AG [4-5] in Wien – Leopoldstadt, heute als Krauseco Werkzeugmaschinen GmbH [10] in Wien 12 etabliert.

Laut Compass 1925 [4] wurde das Unternehmen 1905 gegründet. Es wurden Präzisions-Werkzeugmaschinen und –werkzeuge erzeugt, importiert und exportiert [3]. Im schlot.at-Archiv befindet sich ein Katalog von importierten amerikanischen Werkzeugmaschinen aus 1911 [1], der durch seine geschmackvolle Jugendstil-Typographie ins Auge sticht. Darin ist eine Zeichnung über das Firmengelände enthalten – siehe Fotos. Ferner liegt uns ein Arbeitsübereinkommen aus 1913 vor. Katalog, Arbeitsübereinkommen und ein zeitgenössischer Bezirksplan [2] belegen die ursprüngliche Adresse „Wien XX/2, Engerthstraße 165“. Für die Pionierzeit der Firma werden Niederlassungen in Prag und Budapest erwähnt [1,3].

Jüngere Nachweise aus 1925 und 1930 [4,5] geben eine Adressänderung nach „Wien  XX/2, Engerthstraße 151“, heutiges Wien – Leopoldstadt, bekannt.

1925 werden Zweig-Niederlassungen in Prag, Budapest, Berlin, Köln, Amsterdam und Warschau beschrieben. Die Firma verfügte damals über 580 Arbeiter und 660 PS Elektromotorenkraft [4].

Man widmet sich bereits seit 1926 der Herstellung von dreirädrigen Sonderfahrzeugen [11].

1930 annonciert man mit neuem elliptischem Logo „KRAUSECO“als „Hersteller hydraulischer Universal-Material-Prüfmaschinen, Baustoff-Prüfmaschinen, ferner Präzisions-Werkzeugmaschinen und –werkzeuge“ [5].

1943 findet sich ein Nachweis für „Krauseco“ am Standort Wien XX/20, Engerthstraße 151 als „Das Lastauto mit 3 Rädern“, Fabrik und Verkaufszentrale E. Krause & Co. [6].

1959 firmiert die Firma KRAUSE & Co, Werkzeugmaschinenverkauf und –fabrik (Donauwerk) am selben Standort, hat allerdings in Wien 18., Martinstraße 57-59 eine Motoreninstandstetzungs- und Feinbohrwerkstätte etabliert. Als Zweigbetriebsstätten werden Linz und Graz genannt [7].

1979 finden sich betreffen die Standorte unveränderte Angaben zu 1959. Als Branchenangabe wird „Werkzeugmaschinenfabrik und –handel. Donauwerk: Präzisions-Werkzeugmaschinen (Feinbohrmaschinen, Sondermaschinen, Transferstraße“ genannt. Ein „Zweigbetrieb für Motorinstandsetzung und Stahlspritzen“ besteht in der Martinstraße 57-59, Wien 18, weitere Zweigbetriebsstätten befinden sich in Linz und Graz [8].

 1994 fusionieren die Unternehmen Firmen Ernst Krause & Co. und Mauser-Werke Oberndorf Maschinenbau GmbH zu einer internationalen Unternehmensgruppe [9].

2016 hat das Unternehmen KRAUSECO Werkzeugmaschinen GMBH seinen Sitz in Wien 12., Wolfganggasse 58-60 [10] und widmet sich der Fertigung von Werkzeugmaschinen und Sonder-Werkzeugmaschinen für die spanabhebende Fertigung von Werkstücken des gesamten automotiven Antriebsstrangs [11].

 

Quellen:

[1]…Donauwerk Ernst KRAUSE & Co Wien – Prag – Budapest (1911):. Sonder-Katalog Nr. 61, Umschlag und Vorsatz. Eigentum schlot.at-Archiv

[2]…Artaria & Co (o.J.): Wien 20. Bezirk / Brigittenau, Maßstab 1:4000. Nach Angaben des Städtischen Feuerwehrkommandos und nach dem General-Regulierungsplane des Wiener Stadtbauamtes revidiert im Institute der Verlagshandlung (Dr. K. Peucker). Eigentum schlot.at-Archiv

[3]… Donauwerk Ernst KRAUSE & Co (1913): Arbeitsübereinkommen vom 22.09.1913

[4]…COMPASS-VERLAG (1925): Industrie-Compass Österreich 1925/26, Wien. 558

[5]…TGM Wien (1930): Technisch-gewerbliche Bundeslehranstalt Wien I 1880-1930. Festschrift, Selbstverlag. Annonce der Firma Ernst Krause & Co, Anhang-Seite XIV

[6]…Amtliches Fernsprechbuch Wien 1943, Wien.262

[7]… COMPASS-VERLAG (1959): Industrie-Compass Österreich 1959, Wien. 825

[8]… COMPASS-VERLAG (1979): Industrie-Compass Österreich 1979/80, Wien. 802

[9]… http://www.krause-mauser.com/de/unternehmen/firmengeschichte/   10.04.2016

[10]… http://www.krause-mauser.com/de/unternehmen/konzernstruktur/krause/   10.04.2016

[11]… https://de.wikipedia.org/wiki/Krauseco_Werkzeugmaschinen   10.04.2016

 

AT | WU | Strombad Kritzendorf | Donau gegen GEVAERT-Film

Ein interdisziplinärer Versuch: Was ist auf einem achtzig Jahre alten Film zu sehen, den die Donau an Land gespült hat?

Die kurze Vorgeschichte:

schlot.at (MM) hat am 08.12.2015 bei Donau-Niederwasser am Strand des Strombades Kritzendorf einen im Sediment steckenden 8mm-Film der Traditionsmarke GEVAERT gefunden. Der Film war auf einer schwarz lackierten Blechspule mit der Stanzung „GEVAERT   MADE IN BELGIUM“ aufgewickelt und fast vollständig mit feinkörnigem Fluss-Sediment umgeben. Aus reiner Neugierde wurde der Film geborgen und mit dem Filmmuseum Wien Kontakt aufgenommen.

Bereits am 09.12.2015 meldete sich Paolo CANEPPELE, Leiter der Sammlungen des Filmmuseums, und bekundete Interesse an einer Sichtung des Filmmateriales. Nach Trocknung des Filmes wurde die Sichtung für 19.01.2016 vereinbart. Für den sehr erfahrenen Herrn Raoul SCHMIDT war die Arbeit mit derartigem Filmmaterial laut eigenen Angaben eine Premiere. Auf einem Sichtungstisch wurde der Film mit Spatel und Pinsel sorgfältig vom gröbsten Sediment befreit und nach und nach abgerollt. Die äußersten paar Meter trugen keinerlei belichtete Emulsion, weiter innen konnten verschwommene belichtete Teile des Filmes, jedoch ohne klares Bild, gefunden werden.

Für schlot.at und und das Filmmuseum Wien war die Sichtung eine interessante Premiere. Immerhin schaffte die Donau nicht, sämtliche belichtete Teile des ca. 80 Jahre Filmes auszuschwemmen. Im Folgenden findet sich eine kleine Dokumentation der Fund- und Aufarbeitungssituation.

Vielen Dank an Paolo CANEPPELE und Raoul SCHMIDT für die Aufgeschlossenheit und die Kooperation!

Ein Ersuchen des Filmmuseums: Wenn Sie obsoletes analoges Filmmaterial zu Hause haben, setzen Sie sich bitte mit dem Filmmuseum Wien in Verbindung.

AT | 1140 Wien | Städtische Gaswerke | Arbeiterportrait und Druckregler

Zwei Negative aus dem schlot.at-Archiv [1,2] zeigen Instandhaltungsarbeiten an einer Gasdruck-Regelanlage in Wien 14., Hütteldorfer Straße 126 neben der heutigen General Körner-Kaserne. Aufnahmedatum zwischen 1929 und 1939.

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Eine Anfrage bei der Wiener Netze GmbH [3] brachte gute Detailinforamtionen zu den Negativen:

  • […] das erste Foto zeigt einen zerlegten Druckregler – man erkennt das Oberteil und die Membrane, im Vordergrund würde ich ein Doppelsitzventil sehen. Das zweite Foto zeigt ein Frischluftgebläse zum Einblasen von Luft im Zuge Gasaustritten bei Arbeiten – war zu dieser Zeit sicher fast immer der Fall.
  • Das Foto mit dem Gebläse zeigt eindeutig die unterirdische Regelanlage von der Breitenseerkaserne (links dahinter) an der gleichen Stelle steht jetzt die Gasdruckregelanlage Hütteldorferstrasse, damit bin ich mir auch bezüglich der Inhalte des zweiten Fotos sicher. Der Regler hieß damals schon Hütteldorferstrasse und wurde über den Systemrohrstrang IVc aus dem Gaswerk Simmering versorgt.[https://schlotforum.files.wordpress.com/2009/03/w_gasverteilungsplan_1931.jpg].

Weitere gaswerksrelevante Artikel über Wiener Standorte auf schlot.at:

Gaswerk Simmering

Gaswerk Leopoldau

Gaswerk Floridsdorf

Gasbehälter Brigittenau

Quellen:

[1-2]…2 Nitratfilm-Negative AGFA ISS, #25 und #28. Datierung 1929-1939. Eigentum schlot.at-Archiv.

[3]…Vielen Dank für die Auskünfte an OMR Ing. Mag. Rudolf SPARER und Ing. Andreas REITER, Wiener Netze GmbH. Emails vom 06.10.2015

AT | 1220 Wien | Flughafen Aspern | heutige Seestadt

Die gerade entstehende Seestadt Aspern im 22. Wiener Gemeindebezirk liegt am Gelände des ehemaligen Flughafens Aspern.

Erste Flugversuche wurden am Gelände anno 1880 durchgeführt. 1912 wurde schließlich ein moderner Flughafen errichtet [1].

1914 erfolgte erstmals eine militärische Nutzung des Areals. Die Flugzeuge der Eßlinger Flugzeugfabrik „Aviatik“ wurden am Platz eingeflogen und Piloten ausgebildet.

Nach 1918 mussten durch die Verträge von St. Germain alle hier vorhandenen Fluggeräte, Motoren, Anlagen und Produktionsstätten zerstört werden [2].

Im Juli 1922 wurde der Flughafen unter die Verwaltung der Republik Österreich gestellt [3].

1923 wurde die Österreichische Luftverkehrs AG (kurz ÖLAG), also die erste Fluglinie der Republik Österreich, gegründet. Wien-Aspern war der Heimatflughafen. Am 14.05.1923 fand der erste Flug der ÖLAG von München nach Wien statt. Im Laufe der späten 1920er Jahre wurde ein Streckennetz etabliert, das unter anderem Berlin, Budapest, Mailand [4] sowie Dresden, Prag, Zürich, Venedig und mehrere österreichische Großstädte [5] beinhaltete.

Parallel dazu wurde 1927 als Geheimprojekt begonnen, eine österreichische Militärluftfahrt aufzubauen. Dazu wurden seitens der militärischen Führung Offiziere zur Kampfpilotenausbildung in die Schweiz entsandt, andererseits ehemelige Feldpiloten aus dem ersten Weltkrieg wieder in den Dienst gestellt. Italienische Militärflugzeuge wurden angekauft und ab 1929 wurde die Pilotenausbildung in Aspern offiziell betrieben. Federführende Kraft war der spätere NaziKriegsverbrecher Obst. Alexander Löhr. 1929 waren 11 Offiziere sowie 12 Chargen und Wehrmänner in der Flugschule, und am neu etablierten Flugzeugbau in Aspern beschäftigt. Der Flughafen Aspern (Kürzel LOWA) bestand als Zivil- und Militärflughafen bis zum Ende der Zwischenkriegszeit [3].

1931 landete das später verunglückte Luftschiff Graf Zeppelin.

Im Februar 1934 wurde von Aspern aus ein Luftangriff auf die Aufständischen der Februarkämpfe geflogen. Ab 12.03.1938 bis 1945 war Aspern Luftwaffenstützpunkt der Deutschen Luftwaffe [5].

In den 1930er Jahren wurden seitens der Fa. Wiener Rundflüge zivile Rundfüge über die Stadt Wien anboten. [9]

Die zivile ÖLAG bestand bis 1939 und hatte von 1923-1939 34 Junkers-Maschinen und eine Douglas (Regierungsflugzeug im Ständestaat) in ihrer Flotte [4].

1945-1955 war der Flughafen unter sowjetischer Besatzungsmacht. Ab 1955 wurden vom Österreichischen Aero-Club Flugsport, Pilotenausbildung, Fallschirmspringen und Segelflug betrieben. Gelegentlich wurde das Gelände für Autorennen genutzt. [2].

Durch die Etablierung von Wien-Schwechat als neuem Flughafen verlor Aspern ab dem zweiten Weltkrieg sukzessive an Bedeutung. Am 01.05.1977 wurde der Flughafen komplett aufgelassen. [1]

Seit 1982 befindet sich im Südteil des Areals ein Werk des Kfz-Hersteller GM.

Ab 1988 wurden große Teile der Flughafenpisten vom ARBÖ als Fahrtechnikzentrum genutzt. Dieser Betrieb wurde mit der Verwirklichung des Projektes „Seestadt“ eingestellt.

Der Abriss der Gebäude und Pisten begann 2009 [7].

Schlot.at zeigt an dieser Stelle einen Flugplatzplan [8], einen Streckenplan der ÖLAG [5] und 13 Originalfotos [9] aus den 1930er Jahren.

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Plan Aspern

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Streckenkarte Aspern

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Logo ÖLAG 1920er Jahre

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Tower Aspern 1931

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Hangar Aspern 1933

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Erfrischung am Flugfeld 1933

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Militärpersonal, darunter Offiziere, anno 1933

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DIE Zivilmaschine der Zwischenkriegszeit, die A-100 Junkers G-24, später OE-LAB

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Französisches Flugzeug in Aspern

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Flugzeug der Wiener Rundflug

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A-58

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A-49 – Wiener Rundflüge

 

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JUNKERS ÖLAG Linie Venedig-Wien – siehe Bordkarte

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Wiener Rundflüge mit Prominenz in Aspern

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CIDNA

Quellen:

[1]…Stadtentwicklung Wien, abgefragt am 15.09.2015

[2]…Aspern Flughafen, abgefragt am 15.09.2015

[3]…HAUBNER, Fred: Die Flugzeuge der Österreichischen Luftstreitkräfte vor 1938. Österreichs Luftfahrt in Einzeldarstellungen, Band 2. H. Weishaupt Verlag, Graz.17 ff

[4]…ÖLAG auf wikipedia, abgefragt am 15.09.2015

[5]…Streckenkarte Wien-Salzburg-Innsbruck, ÖLAG. Eigentum schlot.at-Archiv

[6]…Flughafen Aspern auf wikipedia, abgefragt am 15.09.2015

[7]…aktuelle Veranstaltungen, abgefragt am 15.09.2015

[8]…HAUBNER, Fred: Die Flugzeuge der Österreichischen Luftstreitkräfte vor 1938. Österreichs Luftfahrt in Einzeldarstellungen, Band 2. H. Weishaupt Verlag, Graz. 43

[9]…Kontaktabzüge im Eigentum schlot.at.-Archiv, Anfang 1930er Jahre

AT | 1210 Wien | Gaswerk Floridsdorf | ca. 1902-1905

Ansicht des Gaswerkes Floridsdorf von Süden [1]. Da der Fotostandort noch als „Floridsdorf, Niederösterreich“ angegeben ist, kann von einem Aufnahmedatum vor 1905 ausgegangen werden. Der große Gasometer (Teleskopbauweise, Skizzenfarbe rot) im rechten, also östlichen Bildrand wurde 1902 errichtet [2].

Weiters sind westlich davon ein kleinerer Teleskopgasbehälter (Skizzenfarbe grün) und ein alter, gemauerter Gasbehälter (Skizzenfarbe blau) zu erkennen.Ebenfalls sichtbar sind zwei verfahrenstechnisch genutzte große Gebäude (Skizzenfarbe orange und violett) und ein niedriges Nebengebäude (Skizzenfarbe schwarz).

Die Aufnahme ist von Bedeutung, da das Gaswerk Floridsdorf, welches von der englischen Firma Imperial-Continental-Gas-Association (ICGA) betrieben wurde und ab 1902 über einen Bahnanschluss an die Kaiser-Ferdinands-Nordbahn verfügte, nur bis 1911 in Betrieb stand und in den 1920er Jahren dem Bau des Schlingerhofers weichen mußte [2]. Seine Funktion übernahm das damals neu errichtetete (städtische) Gaswerk Leopoldau.

Die genaue Verortung war durch den Stadtplan der Gemeinde Wien – Bereich Kulturgut möglich, der die Zuschaltung historischer Pläne unterstützt [3].

001-Gaswerk-Floridsdorf-Ansicht

Ansicht des Gaswerkes Floridsdorf von Süden (1902-1905). Copyright http://www.schlot.at (2015)

002-Gaswerk-Floridsdorf-Legende

Verortung der Gasbehälter und Gebäude am Stadtplan 1912 [3]

003-Gaswerk_Floridsdorf-West

Detailansicht Westteil 1902-1905. Copyright http://www.schlot.at (2015)

004-Gaswerk-Floridsdorf-Ost

Detailansicht Ostteil 1902-1905. Copyright http://www.schlot.at (2015)

Quellen:

[1]…Glasplattenabzug/zeitgenössische Kontaktkopie 170×123 mm, Eigentum und Copyright  schlot.at-Archiv

[2]…Gaswerk Floridsdorf auf wikipedia.org, abgefragt am 30.08.2015

[3]…wien.gv.at, Stadtplan, abgefragt am 30.08.2015

AT | 1230 Wien | Rodauner Zementwerke | 1896-2013

Fotodokumentation der bereits abgerissenen Rodauner Zementwerke am Stadtrand von Wien.

Das Technische Museum Wien vermerkt zu den Werken Folgendes [1]:

„1896 entstand am südlichen Rand von Wien eine kleine Fabrik zur Produktion von Portlandzement. Das Zementwerk wurde zur Herstellung von gebranntem Kalk für die emporstrebende Stadt auf einem Gelände aus Kalkstein errichtet. 1908 erfolgte die Übernahme durch die „Königshofer Cementfabrik AG“ aus Böhmen. Das Zementwerk wurde vergrößert, weitere Brennöfen erbaut und die Fabrik zu einem wichtigen Arbeitgeber in der Region.

Im Ersten Weltkrieg mussten viele Zementwerke wegen Kohlenmangels eingestellt werden. Nach 1918 erfolgte die Umwandlung in die „Rodauner Cementfabriks Aktiengesellschaft“. Zur besseren Nutzung der umliegenden Kalksteinvorkommen wurde das Werk um 1928 erweitert. Die einzelnen Steinbrüche wurden mit einer Seilbahn verbunden und ein großer Drehofen errichtet. 1940 übernahm die Perlmooser AG die Fabrik. Im Zuge des Wirtschaftsaufschwunges und Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Werk vergrößert und weiter ausgebaut. 1995 kaufte die französische Firma Lafarge das Werk. Das bedeutete 1996 die Schließung und damit das Ende der Zementproduktion in Rodaun.“

Ein Video mit historischen Filmsequenzen von Daniela Ferrari findet sich auf youtube.

Ein Sprengvideo von Daniela Ferrari ist ebenfalls auf youtube zu sehen.

schlot.at gedenkt der ehemaligen Industriestätte mit eigenen Fotos aus 2011 [2].

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Quelle:

[1]…TMW – Rodauner Zementwerke, abgefragt am 21.03.2014

[2]…Fotos MM (2011)