CZ | S | Bělá pod Bezdězem | Weberei Noe STROSS | 1914

Sehr seltene Aufnahme [1] aus dem ehemaligen nordböhmischen Textil-Cluster Jungbunzlau/Mladá Boleslav.

Es handelt sich hier um die Weberei des jüdischen Unternehmers Noe STROSS [2] östlich von Bělá pod Bezdězem/Weisswasser. STROSS betrieb auch in anderen Teilen der Monarchie, darunter in Hranice, Mähren, bedeutende Textil-Unternehmungen.

Die Weberei wurde anstelle einer ehemaligen 1413 erstmals urkundlich erwähnten Mühle, der Holoubkovský mlýn, am Fluß Bělá aufgebaut. Die Mühle selbst wurde 1872 abgerissen, die Fabriksgebäude wurden nach einem Brand 1971 ebenfalls abgetragen [3] [4]. Über den Betrieb selbst lassen sich in der für ein Online-Portal gebotenen Zeit kaum wertvolle Informationen gewinnen, mittels Quelle [3, Seite 38] kann man allerdings eine grobe Verortung wagen [5].

Das Foto der Fabrik zeigt die für eine Großweberei der damaligen Zeit übliche einstöckige flächenintensive Bauweise; man beachte das anmutig wirkende  Logo „NOE STROSS“  an der Stirnseite der Weberei. Die Krönung des Logos mit einem mutmaßlichen Doppeladler könnte auf einen K.K. Hof-Lieferanten hinweisen.

Hinter den eigentlichen Weberei-Gebäuden befindet sich ein viergeschoßiges Fabriks-Bauwerk, möglicherweise die Appretur, mit dahinterliegendem Heizhaus und rauchendem Kamin mit oktogonalem Querschnitt.

Im Vordergrund liegt die Hostinec „U Pramene“ – also die Gastwirtschaft Zur Quelle (soviel tschechisch kann der Verfasser), die wohl die Weberei – Belegschaft als Hauptkundschaft hatte.

Quellen:

[1]…Echtfoto 112 x 78 mm, Albumin, „Fabrik d. Fa. V.S.A.G., Weisswasser 1914, Eigentum schlot.at (2016)

[2]…Jüdisches Leben in Hranice, 04.08.2016

[3]…Erwähnung und Verortung der Holoub-Mühle und der Weberei Noe STRAUSS, tschechisch, 04.08.2016

[4]…Google Translator, 04.08.2016

[5]…Google Maps, ungefährer Standort der ehem. Weberei NoeSTRAUSS, 04.08.2016

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UA | KH | Druzhkivka | Donez-Werk | 1941-1943

UA-Druzhkivka-Donetz-Werk_1200

Kontaktkopie einer Aufnahme des Donez-Werkes in Druzhkivka (ua.) bzw. Druzhkowka (russ.) [1], Oblast Donetsk, wohl 1941-1943 entstanden [2].

In der englischen Version des die Stadt betreffenden wiki-Artikels ist Folgendes zu lesen [2]:

From the late 19th through the 20th century, Druzhkivka grew into a mid-size industrial city with several large factories producing mining equipment and machinery, hardware, kitchen stoves, china tableware and bricks, as well as several clay-extracting quarries in the city’s vicinity.

Das Foto zeigt einen großen Industriebetrieb mit fünf Kaminen und zwei Kühltürmen. Im Hintergund ist ein Gasbehälter zu sehen, wie er auf dem aktuellen Luftbild von Google Maps noch zu erkennen ist.

Die Stadt war vom 22.10.1941 – 06.02.1943 und vom 09.02.1943 – 06.09.1943 von der deutschen Wehrmacht besetzt [2]. Die Interessen Hitler-Deutschlands in diesem Gebiet waren neben den üblichen Territorial- und Völkermordgelüsten die Erbeutung von Kohle und die Besetzung von kriegswirtschaftlich relevanten stahlverarbeitenden Betrieben für die Fütterung der eigenen Kriegsmaschinerie.

Druzhkivka wurde anno 2014 von den Donbass-Separatisten eingenommen [4], ist aber wieder unter ukrainischer Kontrolle [5].

 Quellen:

[1]…Kontaktkopie 6×6 cm, Agfa Lupex, Donez -Werk Druzhkowka. Eigentum schlot.at (2016)

[2]…Druzhkivka auf wiki, englisch, 04.08.2016

[3]…Google Maps – Druzhkivka, 04.08.2016

[4]…War in Donbass, wiki, 04.08.2016

[5]…Karte des Territorialkonflikes Donbass-Milizen gegen Ukraine, Stand 01/2016, 04.08.2016

CZ | Zábřeh | Färberei Wilhelm Brass a synové

1878 gründete der 1819 in eine deutsche Färberdynastie geborene Wilhelm Brass die Textilfärberei Wilhelm Brass und Söhne in Zábřeh [1] / damals Hohenstadt [2].

Die Fabrik  war für Jahrzehnte das größte Unternehmen der Stadt. Brass gilt als Erfinder des Farbstoffes Türkisch rot. Das Unternehmen wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts mehrmals umstrukturiert. So zeichnete nach dem Krieg (wohl 1945) die Textilfirma UTEX Ústí nad Orlicí für die Geschäfte der Fabrik verantwortlich. 1949 wurde das Werk von VIGONA Svitavy und danach von PERLA Česká Třebová weitergeführt. Das Jahr 1989 markierte das Ende des Produktionsstandortes [3].

Die vorliegende Fotoansichtskarte – bzw. ein Ausschnitt davon- [4] zeigt das Werk mit drei bedeutenden  Kaminen (+ ein kleiner) und den klassischen mehrstöckigen Gebäuden für textilverarbeitende Betriebe um 1930-1935 [5].

Danke sehr an Karel Jedonek [3] für die Klärung des Standortes.

Quellen:

[1]…sumpersky.rej.cz, 17.10.2012

[2]…Zábřeh auf wiki, 17.10.2012

[3]…Karel Jedonek, Kurator des Stadtmuseums Zábřeh, Email vom 16.10.2012

[4]…AK JKO M 60/9 Prague II – Hohenstadt, 141 x 91 mm, gelaufen am 08.07.1937, Eigentum schlot.at-Archiv

[5]…Einschätzung schlot.at aufgrund typographischer Beschaffenheit der AK.

AT | 1020 Wien | Dampfkraftwerk Engerthstraße | Eisstoß 1929 und 1940

Zwei alte Ansichten der Kamine des Städtischen Elektrizitäts – Werkes (auch Dampfkraftwerk Engerthstraße), Fotostandorte auf der Donau und an deren Ufer. Die Aufnahmen sind datiert mit 24.02.1929 bzw. 1940 und wurden zur Zeit der damaligen Eisstöße gemacht.

Erkennbar sind mehrere verortungsrelevante Objekte, die in den mehreren der folgenden Abbildungen – sofern erkennbar  – aufsteigend numeriert sind:

1. DDSG-Station Wien Praterkai: markantes Aufnahmegebäude.

2. längliches dreigeschossiges Gebäude am Donaukai mit Giebelspitz und Zwanzigfensterfront.

3. schmäleres, eingeschoßiges Gebäude, parallel südwestlich hinter [2] liegend, mit [2] an dessen schmaler NW-Front durch eine Art Förderband verbunden

4. Elevatoren (in Karte und auf Eisstoßfoto erkennbar)

5. Städtisches E-Werk Wien II (Dampfkraftwerk Engerthstraße).

[A]

[A]: DDSG- Station Praterkai und Kraftwerks-Kamine 1929

[B]

[B]: Verortungsnachweis

[C]

[C]: Karte um 1933

[D]

[D]: Kraftwerk und Franz-von-Assisi-Kirche 1940

Das E-Werk profitierte von der Lage an der Donau und wurde von der Donauuferbahnaus mit Brennstoff versorgt [C]. Die Elevatoren [4] entlang des Handelskais dienten der Löschung der Frachtschiffe.

Das Kraftwerk bestand von 1890 – 1966 und wich schließlich einem Wohnbauprojekt [E]. Näheres zu der spannenden Kraftwerkgeschichte in der eben zitierten Quelle.

Den letzten vorliegenden Nachweis der Baulichkeit erbringt Freytag – Berndt u. Artaria anno 1972 [F].

Quellen:

[A]…Foto „W2“ vom 24.02.1929, 136 x 85 mm auf Wellington. Eigentum schlot-Archiv

[B]…Vergleichsansicht zur Verifizierung von www.zeit-maschine.at, 02.08.2012

[C]…Kartographisches, früher militärgeographisches Institut in Wien (um 1933): Plan des II. Wiener Gemeindebezirkes Leopoldstadt, Maßstab 1:15.000, Ausschnitt

[D]…Foto Eisstoß 1940, ohne Verlag. 139 x 90 mm. Eigentum schlot-Archiv

[E]…Dampfkraftwerk Engerthstraße auf wikipedia, 02.08.2012

[F]…Freytag-Berndt u. Artaria (1972): Großer Buchplan Wien, berichtigte Auflage, Eigenverlag, Wien. 36