TZ | vm. Tansania | Sisal-Plantage der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft (1909/18)

Die vorliegenden sechs Fotos [1] aus Deutsch-Ostafrika, mutmaßlich heutiges Tansania, zeigen eine Sisal-Plantage der 1885 gegründeten [2] Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft.

Sisal ist eine Pflanzenfaser, die aus Agaven gewonnen wird. Sie wird u.a. für Teppiche, Taue, Seile, Garn, als Füllstoff für Matratzen oder als Poliermittel für technische Zwecke genutzt [3].

Zu ihren technischen Eigenschaften gibt Quelle [4] Auskunft.

1893 wurde die ursprünglich aus Südamerika stammende Sisal-Agave erstmals in der Kolonie Deutsch-Ostafrika angebaut [5].

Die Fotos zeigen die wesentlichen verfahrenstechnischen Schritte der Fasergewinnung:

  • Anlieferung der geschnittenen Agavenblätter
  • Maschineller Aufschluss der Fasern durch 90° zur Faserrichtung erfolgende Quetschung der Blätter
  • Wässerung der Faserbündel zur Entfernung von Pektin und Chlorophyll
  • Trocknung der Faserbündel
  • Verpackung bzw. Weiterverarbeitung zu Flachgewebe

Die Fotos dokumentieren ungeschminkt die Arbeitsverhältnisse der lokalen Bevölkerung. Die aneinander gekoppelten Feldbahnwaggons, die zum Transport der Agavenblätter verwendet werden, verfügen augenscheinlich über keine Lokomotive, sondern werden von Hand verschoben. Die Frau, die mit der Quetschung der Agavenblätter betraut ist, hantiert ohne jeglichen Schutz gegen Erfassung der Hände direkt an dem über schwere Metallrollen laufenden Treibriemen. Die Wässerung unter der Aufsicht eines Aufsehers in Tropenuniform erfolgt in Betonbecken ohne mechanische Hilfsmittel wie etwa Hebevorrichtungen. Im Bereich der Verpackung zu Pressballen (hier liegt eine Blechschablone der DOAG) ist andeutungsweise Kinderarbeit zu erkennen.

Quellen:

[1]…6 Kontaktkopien, 165×123 mm Belichtungsfläche. Photocentrale der Kolonial-Kriegerdank G.m.b.H, Berlin N.W.G., nach 1909, [6], vor 1919 [7]. Eigentum schlot.at (2020)

[2]…wiki – DOAG: , 12.10.2020

[3]…baunetzwissen.de, 12.10.2020

[4]…materialarchiv.ch, 12.10.2020

[5]…wiki – Sisalfaser, 12.10.2020

[6]…Kolonialkriegerdank: , 12.10.2020

[7]… wiki – Deutsch-Ostafrika: , 12.10.2020

AT | 1190 Wien | Gräf&Stift AG, Prototyp Colonia-Triebwagen, 1926/1928

Die 1904 in Wien-Döbling, Weinberggasse 70 gegründete [1] Firma GRÄF&STIFT, ab 1907 als Wiener Automobilfabrik A.G., vorm. Gräf & Stift geführt [2], wurde 1971 mit der anno 1907 in Floridsdorf gegründeten FIATWERKE AG zur ÖSTERREICHISCHEN AUTOMOBILFABRIK ÖAF-GRÄF&STIFT – AG vereinigt [2] und anschließend durch den deutschen Konzern MAN übernommen [1].

Ursprünglich wurden durch die Gräf&Stift AG in Döbling vor allem Limousinen und Busse erzeugt [1]. 1925 wurden 750 Arbeiter beschäftigt und folgende Fahrzeugarten hergestellt: 4- und 6-Zylinder-Luxus- und Tourenautos, Lastautos, Traktore, Motorboote [3].

Das uns vorliegende Foto [4] zeigt laut freundlicher Auskunft von Werner Neuwirth [5] den Prototyp eines in den 1920er Jahren seitens der MA30 in Auftrag gegebenen GRÄF&STIFT-Zugwagens für das Müllentsorgungssystem „Colonia“. 1928 waren 63 Triebwagen mit 114 Anhängern für die Abfallsammlung fertiggestellt [6]. Laut Auskunft [5] lieferte die 1926 gegründete Voran-AG [7] die zugehörigen Patente für den verbauten Vorderradabtrieb. Der abgebildete Triebwagen ist vor 1931 in Wien zugelassen (Kennzeichen AII 727, Systematik 1905-1930, vgl. [8]). Somit ist das Foto auf wenige Jahre genau datierbar.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quellen:

[1]…Gräf&Stift – Geschichte, 08.03.2020
[2]…SEPER, H.: Von Austro-Fiat zur Österreichischen Automobilfabrik ÖAF-Gräf & Stift AG, Werdegang – Personen – Kraftfahrzeuge. Welsermühl, Wels 1994, ISBN 3-85339-206-7, Seite 280
[3]…COMPASS VERLAG (1925): Industrie-Compass Österreich 1925/26 1. Band, S 539
[4]…Foto 82×58 mm, Kontaktkopie, Eigentum schlot.at

[5]…Freundliche Auskunft Werner Neuwirth, 08.03.2020

[6]…Colonia-System, 09.03.2020

[7]…Voran-AG, 09.03.2020
[8]…Österreichische KFZ-Kennzeichensystematik 1905-1930, 08.03.2020

 

AT | Wien | Öffentlicher Verkehr – Autobusse

Sogenannte Stellwägen gab es ab ca. 1825, allerdings hauptsächlich für die Umgebung Wiens und von privaten Unternehmen geführt.
Später wurden eigene Omnibus-Gesellschaften gegründet und ab 1907 gründeten die städtischen Straßenbahnen einen Autobusersatzverkehr für einige Außenbezirke.
Teilweise wurden noch Pferdestellwagenbetriebe geführt.
Am 16. Oktober 1908 wurde eine Elektrobuslinie von Pötzleinsdorf nach Salmannsdorf eröffnet.
In den darauffolgenden Jahren wurden Versuche mit Akkumulatoren- und Benzinwagen unternommen, jedoch während der Kriegszeit (1917) eingestellt. Ebenso der gesamte Pferdebetrieb.

Zwei Jahre darauf wurde der Betrieb mit Benzin- und Elektrowagen wieder aufgenommen, musste im Tagverkehr allerdings aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt werden. Die Kaufkraft der Bevölkerung fehlte.  1922 wurde der Betrieb komplett aufgelöst und den Städtischen Straßenbahnen übetragen.

1922 und 23 wurde der Betrieb wieder aufgenommen, wenn auch vorerst nur in der Inneren Stadt. Ab 1929 dann auch in den äußeren Bezirken.
So konnte man zum Beispiel mit dem neu eingerichteten Schnellverkehr vom Stephansplatz in 19 Minuten nach Floridsdorf gelangen.

Sondervekehrslinien wurden an bestimmten Tagen zusätzlich eingerichtet: zb zur Frühjahrs- und Herbstmesse in der Rotunde, an wichtigen Feiertagen oder an heißen Bädertagen.

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Quelle: Festschrift, Wiener Stadtbauamt, Wien 1935, Seite 407, Abb. 193

Als die Busse nur die Innenstadt befuhren war der Einmannbetrieb (Fahrer) und ein Fahrscheinverkauf an Haltestellen-Automaten üblich. Durch größeres Verkehrsaufkommen wurde der Zweimannbetrieb (zusätzlicher Schaffner im Wagen) und der Einstieg in der Wagenmitte eingeführt.

Die Autobusse waren zuerst mit Luftkammerreifen und später (1926) mit Luftreifen und Druckluftbremsen ausgestattet.

Zonentarif gab es bei der Straßenbahn ab 1892 und Streckenfahrscheine ab 1916.
„Arbeitslosen-Fürsorgefahrscheine“ ab 1922.
Den „Nachtfahrschein“ seit 1904; einen Abendfahrschein gab es ebenso.

Übrigens wurde die Beförderung von Hunden auf den Stadtbahnlinien 1926 zugelassen, 1931 auch auf den Straßenbahnlinien.

Der Bustarif wurde als Zonentarif mit 5 Stufen bei Tag und 4 Stufen bei Nacht beibehalten. Durch die Wirtschaftskrise und die Geldentwertung  wurde der Tarif zwischen 1903 und 1934 dreissig Mal geändert. Allein Im Jahr 1922 neun Mal.

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Quelle: Festschrift, Wiener Stadtbauamt, Wien 1935, Seite 410

Im Jahr 1934 waren 8 Nachtbuslinien nicht nur schneller als bei Tag, sondern auch auf längerer Strecke unterwegs.

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Quelle: Festschrift herausgegeben anlässlich der Hundertjahrfeier des Wiener Stadtbauamtes, Wien 1935, Seiten 407-410

AT | 1030 Wien | Joseph Voigt & Companie | Lagerhaus/Mühle/Drogenappretur | 1935

Die 1714 gegründete Wiener „Specerey-, Material- und Farbwarenhandlung“ „Zum schwarzen Hund“ wurde 1806 von der Industriellendynastie Voigt übernommen und das Unternehmen zu einer bedeutenden Drogeriekette erweitert. 1892 entschloss man sich, im heutigen Bezirk Wien-Landstraße ein Grundstück für die Errichtung eines großen Lagerhaus- und Fabrikskomplexes mit Mühlen, Stampfen und Schneidemaschinen zu erwerben [1], um die eigenen Drogerien versorgen zu können. Die Bausubstanz der Fabrik wird mit 1893 datiert [2].

Das vorliegende Foto aus 1935 [3] zeigt diese Lager-, Manipulations- und Produktionsstätte in der Göllnergasse 15. Die baulichen Einrichtungen werden auf einem zeitgenössischen amtlichen Bezirksplan als „Lagerhaus und Drogenappretur“ bezeichnet [4].

Neben einem Kesselhaus samt Kamin wird auf der Fotografie der Einsatz einer schmalspurigen Rollbahn zum Materialtransport im Fabrikshof gezeigt. Ein voll beladenes zweispänniges Fuhrwerk steht gerade auf der Brückenwaage, zeitgleich wird ein großvolumiges Faß mittels Rohrleitung befüllt.

Sämtliche weiteren gesichteten Firmendaten beziehen sich leider auf das Unternehmen allgemein bzw. die Filialen und nicht auf das hier abgebildete industriegeschichtlich relevante Lagerhaus.

 

Quellen:

[1]…VOIGT Alfred, biographien.ac.at, 06.12.2019

[2]…Wien Kulturgut, 06.12.2019

[3]…Foto 168×121 mm auf Agfa Brovira matt, bezeichnet: „Sommer 1935 bei Fa. Jos. Voigt & Co, Wien III, Göllnergasse 15; Gribitzer mit schwerem Fuhrwerk; Tomaschek, Pindur, Musil +1939, Benedikt“; Eigentum Archiv schlot.at (2018)

[4]…Plan des III. Wiener Gemeindebezirkes Landstraße, Maßstab 1:10.000. Kartographisches, früher militärgeographisches Institut, um 1935

CZ | Blansko | Graf Salm’sche Eisengießerei

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Graf Salm’sche Eisengießerei, Korrespondenzkarte, 1903. Quelle: Privatarchiv

SALMSCHE EISENGIESSEREI in Blansko, Südmähren – heut. Tschechien

Gusseisen wurde zirka ab der Mitte des 19. Jahrhunderts immer häufiger für moderne Baukonstruktionen mit großer Spannweite (zb. Bahnhofshallen, Fabriken, Hofüberdachungen, Palmenhäuser etc) angewendet.

Die frühesten und bekanntesten Beispiele: Bibliothek Sainte-Geneviève in Paris (Henri Labrouste 1843-51) und der Crystal Palace in London (Joseph Paxton, 1851)

Die Verwendung von Gusseisen gilt als besonders witterungsbeständig und langlebig, war aber vor allem wegen seiner Möglichkeiten in der Produktion sowie in der Hallenarchitektur sehr beliebt. Dennoch wurde der beliebter werdende Werkstoff ua. auch für Terrassenüberdachungen im privaten Wohnbau verwendet. Ein frühes Beispiel zeigt sich im ehem. „Bredaschen Landhaus“ – die heutige Volksschule der Erzdiözese Wien in Mauer – das vom renommierten Architekten Ludwig Förster1 1851-1853 erbaut wurde.

Ebenso in der gusseisernen Parkkollonade in Karlsbad, Tschechien, 1881 von Ferdinand Fellner und Hermann Helmer erbaut, kam der Werkstoff zum Einsatz.2 Auch die renommierte Wiener Firma R. Ph. Waagner plante und errichtete eine zweigeschossige, gusseiserne Veranda – die Villa Tobler in Zürich 1887.3 Alle drei Beispiele wurden vom Werk in Blansko beliefert.

Auch die Baumeister und Handwerker der Wiener Ringstraßenzeit wurden großteils aus Blansko beliefert: zb.: Theophil Hansen – Dampfschornsteine, Parlament4, Wien, Otto Wagner – Bürgerhäuser, Stadtbahnpavillons, Wien,5 Albert Milde – Nussdorfer Schleuse6, Wien.

Die Eisengießerei in Blansko war wohl eine der renommiertesten Gießereien in der österreichisch-ungarischen Monarchie und unterhielt auch eine Geschäftsstelle in Wien.7

Das blansker Gußeisen (versicherte das Kreisamt) ist wegen seiner vorzüglichen Haltbarkeit sehr gesucht, das Stabeisen dürfte das vorzüglichste in Mähren sein; [..]“8

Graf Salm stand schließlich mit seinem Unternehmen unter den Hüttenindustriellen des österreichischen Kaiserstaates an der Spitze; die Eisengießerei Blansko gehörte zu den führenden Spezialwerkstätten ihrer Zeit. Der Aufstieg der Gußeisenproduktion erwies sich gerade in dieser Zeit als äußert aussichtsreich, [..].“9

Die Eisengießerei, die wohl um 1840 begründet wurde, erlangte schnell weitreichenden Ruhm, auch weil sie sehr große Gussteile verschiedenster Art herstellen konnte und die Industrie mit ihren Dampfmaschinen, Mühl- und Pumpwerken beliefern konnte.10

Stoeger, Anton, Gusseiserne Kreuze, Kirchberg am Walde, 2013, Abb. 104
Gussmarken aus Blansko – Quelle: Stöger, Anton, Gusseiserne Kreuze, Kirchberg am Walde, 2013, Abb. 104

5 Griesser-Stermscheg, Martina und Krist, Gabriela (Hg.), Metallkonservierung Metallrestaurierung, Geschichte, Methode, Praxis, Sammelband anlässlich der Fachtagung „Metallrestaurierung – Metallkonservierung“ der Universität für angewandte Kunst, Böhlau Verlag, Wien 2007, S. 39, in: https://books.google.at/books?id=Cf6WWj2NILsC&printsec=frontcover&hl=de#v=onepage&q&f=false, am 23.06.2019

7 Stöger, Anton, Gusseiserne Kreuze, Kirchberg am Walde, 2013, S. 3

8 D’Elvert, Christian von Ritter, Zur Geschichte des Bergbaues und Hüttenwesens in Mähren und Oesterr.-Schlesien, Brünn, 1866, S. 276, in: https://books.google.at/books?id=6AH2NBSBZe0C&printsec=frontcover&hl=de#v=onepage&q&f=false, am 23.06.2019

9Esslinger Studien, Jahrbuch für Geschichte der Oberdeutschen Reichsstädte, Bände 14-16, 1968, S. 178, in: https://books.google.at/books?id=LEIjAQAAIAAJ&q=Gusseisen+Blansko&dq=Gusseisen+Blansko&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwj-l4b70P_iAhXlsYsKHa4bBcU4FBDoAQgrMAE, am 23.06.2019

10 Bericht über die dritte österreichische Gewerbeausstellung 1845, Wien, 1846, Personenregister S. 867

AT | 1100 Wien | Amalienbad, Umbau und Abbruch der Heizungsanlage, 1980-1986

Das zwischen 1923 und 1926 im 10. Wiener Gemeindebezirk (Favoriten) / Reumannplatz 23 errichtete „Amalienbad“ ist eines der größten städtischen Volks- und Schwimmbäder Wiens.1 Ursprünglich mit einer großen, mit Kohle befeuerten Heizungsanlage für das gesamte Objekt und dessen Betrieb ausgestattet. Dazu befand sich an der Südostseite ein Heizhaus mit zwei flankierenden Schloten.

1981 bis 1986 wurde das Bad unter der Planung der Architekten BR h.c. DI Dr. Erich Schlöss und DI Erich Millbacher2 (Statik: DI Günter Appel) generalsaniert und umgebaut. Anläßlich dieser Baumaßnahmen wurde an Stelle des Heizhauses im Untergeschoß eine zweite Schwimmhalle errichtet, wobei auch die beiden Schlote abgetragen wurden.

Neben denkmalpflegerischer Maßnahmen und baulicher Änderungen im Hauptgebäude waren im Bereich des ehemaligen Heizhauses relativ umfangreiche Baumaßnahmen erforderlich. Daran schlossen sich 2012 weitere erhaltende Renovierungen an.

Sämtliche Maßnahmen wurden unter der örtlichen Bauaufsicht der MA 44 – Bäderverwaltung durchgeführt.

Aus der Bauzeit ab 1981 gibt es aus dem örtlichen Baubüro Schlöss (J.D.- Privatarchiv) einige fotografische Dokumente, die das Denkmal der Wiener Bäderkultur noch teilweise zeigen.

Wenn nicht anders angegeben: Alle Texte, Informationen und Abbildungen zur Verfügung gestellt von J.D.-Privatarchiv. Danke auch an die MA 44 – Bäder für die freundliche Unterstützung.

1_Amalienbad_Ansichtum1970_JDPrivatarchiv
Amalienbad, Ansicht um 1970. Quelle: J.D.-Privatarchiv

2_Amalienbad_Heizungsanlageum1980_JDPrivatarchiv
Amalienbad, Heinzungsanlage um 1980. Quelle: J.D.-Privatarchiv

3_Amalienbad_SuedWestAnsichtum1980_JDPrivatarchiv
Amalienbad, Süd-West-Ansicht um 1980. Quelle: J.D.-Privatarchiv

4_Amalienbad_AnsichtvonPuchsbaumg_um1980_JDPrivatarchiv
Amalienbad, Ansicht von der Puchsbaumgasse um 1980. Quelle: J.D.-Privatarchiv

5_Amalienbad_SuedOstAnsicht_Kohlenbunker_um1980_JDPrivatarchiv
Amalienbad, Süd-Ost-Ansicht, Kohlenbunker um 1980. Quelle: J.D.-Privatarchiv

6_Amalienbad_Kesselhaus_um1980_JDPrivatarchiv
Amalienbad, Kesselhaus um 1980. Quelle: J.D.-Privatarchiv

7_Amalienbad_Kesselhaus_Dach_um1980_JDPrivatarchiv
Amalienbad, Kesselhaus – Dach, um 1980. Quelle: J.D.-Privatarchiv

8_Amalienbad_ZweiKesselanlagen_um1980_JDPrivatarchiv
Amalienbad, Zwei Kesselanlagen um 1980. Quelle: J.D.-Privatarchiv

9_Amalienbad_Kessel_um1980_JDPrivatarchiv
Amalienbad, Kessel um 1980. Quelle: J.D.-Privatarchiv

10_Amalienbad_Kohlenbeschickung_um1980_JDPrivatarchiv
Amalienbad, Kohlenbeschickung. Quelle: J.D.-Privatarchiv

11_Amalienbad_Kesselregulierung_um1980_JDPrivatarchiv
Amalienbad, Kesselregulierung. Quelle: J.D.-Privatarchiv

12_Amalienbad_Heizregisterfreigelegt_um1980_JDPrivatarchiv
Amalienbad, freigelegtes Heizregister. Quelle: J.D.-Privatarchiv

13_Amalienbad_StiegenimKesselhaus_um1980_JDPrivatarchiv
Amalienbad, Kesselhaus – Stiegenaufgang. Quelle: J.D.-Privatarchiv

14_Amalienbad_StiegenimKesselhaus2_um1980_JDPrivatarchiv
Amalienbad, Kesselhaus – Stiegenaufgang. Quelle: J.D.-Privatarchiv

15_Amalienbad_Kommunikation_um1980_JDPrivatarchiv
Amalienbad, Kommunikationsanlage. Quelle: J.D.-Privatarchiv

16_Amalienbad_Messtechnik_um1980_JDPrivatarchiv
Amalienbad, Messtechnik. Quelle: J.D.-Privatarchiv

17_Amalienbad_BeginndesAbbruchs_um1980_JDPrivatarchiv
Amalienbad, Beginn des Abbruchs. Quelle: J.D.-Privatarchiv

18_Amalienbad_BeginndesAbbruchs2_um1980_JDPrivatarchiv
Amalienbad, Beginn des Abbruchs. Quelle: J.D.-Privatarchiv

19_Amalienbad_BeginndesAbbruchs3_um1980_JDPrivatarchiv
Amalienbad, Beginn des Abbruchs. Quelle: J.D.-Privatarchiv

20_Amalienbad_Umbau_um1980_JDPrivatarchiv
Amalienbad, Umbau ab 1981. Quelle: J.D.-Privatarchiv

21_Amalienbad_Umbau2_um1980_JDPrivatarchiv
Amalienbad, Umbau ab 1981. Quelle: J.D.-Privatarchiv

22_Amalienbad_Umbau3_um1980_JDPrivatarchiv
Amalienbad, Umbau ab 1981. Quelle: J.D.-Privatarchiv

23_Amalienbad_Fertigstellung_um1986_MA44Baeder
Amalienbad, Fertigstellung um 1986. Quelle: MA 44 Bäder

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1https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Amalienbad
2Korrektur laut Auskunft: J.D.-Privatarchiv

 

CZ | Most/Brüx | Braunkohle-Bergbau | Schwemmsand-Katastrophe, 19.07.1895

Im Zuge der bergmännischen Ausbeutung des Braunkohlereviers unter der tschechischen Stadt Most (zu deutsch: Brücke, hier Stadt Brüx) kam es in der Nacht vom 19. auf 20.07.1895 zu einer Katastrophe:

Geologisch bedingt kam es im Bereich des Grubenfeldes des Anna-Schachtes, welches sich im Bereich des bebauten Stadtgebietes von Most befindet, zur Bildung von Einsturztrichtern, was eine Vielzahl von Häusern zum Einsturz brachte und technische Infrastruktur wie Bahnanlagen schwer beschädigte. Dies konnte nur geschehen, da unter dem Siedlungsgebiet unsachgemäß betriebener Abbau von Kohle stattfand und sich im sandigen Boden Setzungen bildeten. Dies geht aus zeitgenössischen Berichten von Dr. Gustav Laube [1], Max Winter [2] und Franz Toula [3] hervor, wobei bei letzterer Quelle auch geologische Profile und Kartenskizzen der betroffenen Gebiete enthalten sind.

Das seitens schlot.at erworbene Foto [4] zeigt die Verwüstungen im Bereich der Bahnhofstraße nächst dem Hotel Siegel. Datum der Aufnahme ist wohl der 20.07.1895.

Das Foto ist ein trauriges Zeugnis über die – glaubt man den Berichten – skrupellosen Machenschaften der Bergbaugesellschaft und läßt verstehen, weshalb sich zu dieser Zeit gewerkschaftliche Verbindungen und die Idee der Sozialdemokratie etablieren konnten.

Quellen:

[1]…LAUBE, G. (1895)…https://www.zobodat.at/pdf/Lotos_44_0003-0013.pdf

[2]…WINTER, Max (1895): Arbeiter-Zeitung Nr. 200 vom 24. 7. 1895…http://www.max-winter.org/htm/1895_01.htm

[3]…TOULA, F. (1895): Über die Katastrophe von Brüx…https://www.zobodat.at/pdf/SVVNWK_36_0001-0037.pdf

[4]…WERNER, H., Photograph in Brüx (1895): Kontaktkopie 151×110 mm, beschädigt: „Brüxer Kohlenbergbau-Gesellschaft. Hotel Siegel“. Handschriftliche Vermerke: „Brüx, den 19.Juli 1895. Bahnhofstraße. Naaff“. Eigentum schlot.at-Archiv

AT | BM | Kapfenberg | Gußstahlfabrik BÖHLER

Ansichtskarte der Kapfenberger Gußstahlfabrik Gebrüder BÖHLER&Co AG Wien, um 1925 [1].

Böhler-Kapfenberg2400

Damalige Werkseinrichtungen (1925) waren [2]

  • Tiegelgußstahlhütte
  • Martin- und Elektrostahlanlage
  • Stahlformgießerei
  • Preß- und Dampfhammerwerk
  • Walzwerke mit Grob-, Fein- und Blechstrecke
  • Federnfabrik
  • Etc.

Aus dem 1914 liegt uns ein Katalog vor, der die Kapfenberger Werksanlagen kriegsbedingt etwas anders beschreibt [3]:

  • Tiegelstahlhütte: Umschmelzen des Roheisens mithilfe der Legierungsmetalle Cr,, Wo, Ni, V u.a. in Tiegeln für kleine Mengen an Spezialstahl. 1914 auch Belieferung der werkseigenen Artilleriewerkstätten
  • Werkstätten für Kriegsbedarf/Artilleriewerkstätten: Erzeugung von Hohlkörpern, Geschoßkörper für Schrapnells, Granaten, Dreadnoughts und Festungsgeschütze, Hohlachsen für Lafetten und Rohrrücklaufgeschütze, Lafettentröge, Bremszylinder, Federspannrohre etc.
  • Martinwerk: Zur Erzeugung von Konstruktionsmaterial für den Maschinen- und Automobilbau sowie zur Herstellung von Formguß und Stahl für Massenartikel. Errichtung des ersten Martinofens in Kapfenberg bereits 1868
  • Elektrostahlanlage: 1908 errichtet. Moderne Martinstahlerzeugung mit 0,15 – 0,75 % C-Gehalt in mehr als zwanzig verschiedenen Sorten je nach Verwendungszweck für Sensen, Sicherln, Messer etc.
  • Formgießerei
  • Herdfrischhütten
  • Elektrische Kraftzentrale
  • Hammerwerk mit Zentralkesselanlage (3000 m² Heizfläche). Mehr als 40 Dampfhämmer mit einem Bärgeweicht bis zu 20t, teilweise als Schwanzhämmer mit Wasserkraftantrieb ausgeführt
  • Preßwerk
  • Walzwerk
  • Zieherei
  • Eisengießerei
  • Glüherei: 13 Doppelöfen
  • Materialprüfungsanstalt mit Zerreißmaschinen, Pendelschlagmaschinen, Kugeldruckpressen, Biegeapparaten, metallographischem Labor für Gefügeuntersuchungen und Erstellung von Rekalescenzkurven, Apparaten zur Dichtebestimmung und Erfassung der magnetischen Eigenschaften
  • Putzerei
  • Lager
  • Verladestellen
  • Werkssiedlung
  • Werksspital

Derzeit (2018) ist für den Standort Kapfenberg seitens der voestalpine BÖHLER Edelstahl GmnbH & Co KG der Neubau des weltweit modernsten Edelstahlwerkes geplant [4].

Quellen:

[1]…Echtfotopostkarte, Fotograf Fr. Pachleitner, Kapfenberg, gelaufenam 02.11.1927, Eigentum schlot.at-Archiv

[2]…COMPASS VERLAG (1925): Industrie-Compass Band I Österreich 1925/26. Wien, Seite 422

[3]…GEBR. BÖHLER & Co. AG Wien/Berlin  (1914): Die Erzeugungsweise von Böhler-Stahl und die Betriebsverhältnisse in den gesellschaftlichen Werks-Anlagen mit einer Schilderung der Erzeugnisse und der geschäftlichen Organisation, 5. Auflage. 100 S und Anhang

[4]…Böhler Edelstahl, abgefragt am 11.10.2018

 

AT | 1190 Wien | Bensdorp Schokoladefabrik

Die Bensdorp-Schokoladefabrik in Wien-Döbling, Weinberggasse 67-71 (1925) bzw. 57/77 (1959), wurde 1907 als Hollandsche Cacao en Chocolade-Fabrieken v./h. Bensdorp & Co in Amsterdam, Repräsentanz Wien gegründet [1]. Erzeugt wurden Kakaopulver, Kakaomasse, Kakaobutter, Schokolade und Tunkmasse (1925).

1959 firmierte man als Bensdorp Gesellschaft mit beschränkter Haftung [2].

1978 wird zum Werk Döbling ein Zweigbetrieb in Tulln erwähnt [3]. Das Areal wurde Mitte der 1980er Jahre zeitnah zum Abbruch der gegenüberliegenden Gräf&Stift-Gründe abgerissen.

Aus dem Jahr 1912 liegt uns eine detaillierte, wenn auch schwärmerische Beschreibung des damals noch neuen Werkes samt Abbildung vor, die im Folgenden als Zitat wiedergegeben wird [4].

Die Amsterdamer Firma „Holländische Cacao- und Chocoladefabriken v./v. Bensdorf & Co. A.-G., die ausser ihrem Stammsitze auch noch stetig sich vergrößernde und Tausende von Arbeitskräften beschäftigende Fabriken in Bussum (Holland) für den Weltverkehr errichtete, ferner auch für den enormen Bedarf des deutschen Reiches zu Cleve im Rheinland eine separate Fabrik eröffnete, hat bekanntlich auch in Wien zu Beginn des Jahres 1908 eine Spezialfabrik ihres Cacaopulvers, wozu nunmehr auch Chocolade getreten ist, für den rapid gestiegenen und kontinuierlich wachsenden Bedarf Oestereich-Ungarns in Betrieb gesetzt.

Diese Wiener Fabrik wird von sämtlichen Industriellen und Amtspersonen, die dieselbe zu besichtigen Gelegenheit hatten, als die unvergleichlich schönste Fabrik des Landes bezeichnet. Sie liegt in den höchsten, gesündesten und schönsten Teilen der Residenz, im Stadtbezirke Döbling, in nächster Nähe des Wiener Cottage, des Türkenschanzparkes, der Hochschule für Bodenkultur, ferne von Industrievierteln, umgeben von anmutigen Rebengeländen, voll Sonne, Licht und Luft, mit prächtiger Aussicht auf die Ausläufer des Wiener Waldes: Leopoldsberg, Kahlenberg, Kobenzl, Himmel, Holländerdörfl etc. einerseits und das Bild der Großstadt andererseits. Von einer Art Festungsmauer gegen die Türkenschanze abgegrenzt, inmitten eigener Gartenanlagen, mit zwei Türmen versehen, gleicht die Fabrik einem Schlosse, umsomehr, als der Kamin, bis zu einer gewissen Höhe vollständig eingebaut, in seinem oberen Teile eine verglaste Aussichtswarte darstellt, mit einem zierlichen Aufsatz abschließt und mit einer neuen, erstmalig verwendeten Rauchverzehrungsvorrichtung versehen ist.

Der zweite Turm bietet ausser einer vierseitigen Uhr ein holländischen Glockenspiel, bestehend aus 26 Glocken, die alle Musikstücke von Wiener Walzer bis zur Simphonie wiedergeben. Das erste und einzige Werk dieser Art und Größe im ganzen Reiche.

Die innere Einrichtung ist durchaus modern und vornehm. Kontor mit dem Sprechraum und Direktionsbureau, die Lagerräume und abgesonderten Abteilungen für Füllung, Packung, Etikettierung und Assortierung, der geräumige und vollständig gekachelte Maschinenraum, bilden industrielle Sehenswürdigkeiten, nicht zu sprechen von den eigentlichen Fabrikationsräumen, die, durch vier Etagen von prächtigen Kühl- und Kellerräumen bis zum höchsten Stockwerke durch zahlreiche Aufzüge und automatische Vorrichtungen miteinander verbunden, die kombiniertesten und kompliziertesten maschinellen Einrichtungen der neuesten Zeit in sich vereinen.

Der ganze Fabriksbau mit seinem separat gelegenen Maschinen- und Kesselhaus und der Direktionsvilla ist in holländischem Stile in monumentaler Weise ausgeführt; imposant und anmutig zugleich bildet diese Fabrik ein würdiges Juwel im Schmuckkasten Wiens.

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Foto um 1910

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Druckmatritze aus Blei für Zeitungswerbung, Archiv schlot.at

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Schokoladeschleifen aus den 1930er bis 1960er Jahren, im Werk Döbling gesammelt eintauschbar gegen neue Schokolade.

Quellen:

[1]…COMPASS VERLAG (1925): Industrie-Compass Österreich 1925/26, 1688

[2]…COMPASS VERLAG (1959): Industrie-Compass Österreich 1959, 1760

[3]…COMPASS VERLAG (1978): Industrie-Compass Österreich 1978/79, 1806

[4]…Erster Wiener Consum-Verein (1912): Zur Erinnerung an das 50jährige Bestehen des Ersten Wiener Consum-Vereines Registrierter Genossenschaft mit beschränkter Haftung 1862-1912. Im Selbstverlage des Vereins. Seite 117