AT | 1140 Wien | Färberei Seidel | ~1935

Abermals ein Zufallsfund eines Fotos [1], das einen uns schon lange bekannten Fabriksstandort in Wien 14, Deutschordensstraße 3, zeigt:

Färberei Seidel [2] bzw. Vereinigte  Färbereien A.G. [3], um  1935.

Faerberei_Seidel_Deutschordensstrasse

Die sehr schöne Website www.1133.at, die sich den ehemaligen Fabriken des Wientales widmet, berichtet über die Fabrik wie kursiv folgt:

Färberei Seidel

(14, Hackinger Straße 48, Deutschordenstraße 3)

In unmittelbarer Nachbarschaft der (in ihrem Ursprung auf das Mittelalter zurückgehenden) Hackinger Mühle befand sich auf Hackinger Straße 46 ein nicht zur Mühle gehörendes, um 1750 errichtetes ebenerdiges Haus. Darin richtete 1812 Louis Aumüller eine Baumwolldruckerei ein und stockte das Haus um ein Geschoß auf. Der Betrieb war nur mäßig rentabel, seine Besitzer wechselten alle paar Jahre. 1846 kaufte Gustav Seidel das Gebäude von Giuseppe Bossi und eröffnete darin 1860 eine Färberei und Mercerisiererei (=Stoffveredlung, benannt nach ihrem englischen Erfinder Mercer) ein. Gustav Seidel (*1816, †1887) stammte aus Reichenberg (Liberec) in Böhmen und war von 1878 bis zu seinem Tod auch Bürgermeister von Hacking, in deren Gemeindegebiet seine Fabrik lag (obwohl nördlich der Wien und heute 14. Bezirk). Er wohnte mit seiner Familie direkt neben seinem Fabrikbüro in der Deutschordenstraße 3. Nach 1850 kaufte er auch das gegenüberliegende Areal der Hackinger Mühle (Hackinger Straße 48) samt den noch darauf befindlichen Gebäuden, ausgenommen das Mühlenwirtshaus „Gasthaus zum Deutschen Orden“, welches die Färberei Seidel erst 1922 dazu erwarb. 1887 übernahmen die Söhne des Gründers, Gustav jun. (der sich schon 1896 zurückzog) und Moriz, die Färberei. 1889 wurde ihnen das Druckereigebäude (Hackinger Straße 46) zu eng, sie übersiedelten die Färberei zur Gänze auf das ehemalige Mühlenareal.

Nun begannen die Jahre des großen Aufschwunges der Färberei Seidel, ermöglicht durch die Hochkonjunktur der zu Ende gehenden Monarchie, die Gründerzeit. Neue Gebäude wurden zugebaut, darunter ein großes Direktionsgebäude und weitere Produktionshallen, Magazine, eine Wagenremise und ein Personalwohnhaus für Fabriksbeamte (Hackingerstraße 50). 1902 wurde der große Schlot gebaut, den die Firma Seidel auf ihrem Briefpapier stolz in stark rauchendem Zustand abbildete – als Zeichen der Prosperität, Umweltbewusstsein war damals noch ein Fremdwort. 1905/06 wurden die Betriebszweige Bleicherei und Appretur hinzugenommen und neben den Dampfmaschinen auch erste Elektromotoren eingesetzt. 1906 brachte Moriz Seidel den Hackinger Betrieb in eine groß angelegte Fusionierung mit folgenden Firmen ein: Hugo Stöhr in Röchlitz und Oberrosenthal, H. Schmidt & Co. in Reichenberg, J.H. Bornemann in Aussig (alle Orte in Böhmen). Zusammen bildeten sie nun die „Vereinigte Färbereien Aktiengesellschaft“ mit weiteren Filialfabriken in Hussowitz bei Brünn, Wöllersdorf (NÖ) und Kaisermühlen. 1910 hatte der Hackinger Betrieb etwa 300 Arbeiter. Nach dem Zerfall der Monarchie wurde dieser, heute würde man sagen Konzern, wieder in eine österreichische und eine tschechoslowakische Gesellschaft zerlegt, die letztere hieß „Vereinigte Färbereien Reichenberg“. Nach dem Ersten Weltkrieg kam beim Hackinger Betrieb noch Wäscherei und Walkerei dazu, dann war der Höhepunkt des Ausbaus erreicht. Offenbar als Folge der geänderten politischen Verhältnisse erfolgte 1940 eine neuerliche deutsch-böhmische Fusion. 1939 bis 1947 führte bereits der Enkel des Gründers, Ing. Moritz Seidel, die Geschäfte im Vorstand. 1946 wurden die in Böhmen gelegenen Betriebsteile von den Enteignungen bzw. Verstaatlichungen aufgrund der Beneš-Dekrete erfasst, einzig die Wiener Färberei blieb übrig.

Der 1933 verstorbene Moriz Seidel liegt zusammen mit dem Gründerenkel, Ing. Moritz Seidel, auf dem Ober St. Veiter Friedhof in einem noch bestehenden Grab, auf dessen Grabstein ein Metallrelief einen Färber darstellt, wie er einen Tuchballen in den Bottich taucht. Die Gesichter der abgebildeten Personen (Färber, kleines Kind) entsprechen den tatsächlichen Physiognomien der Geschwister des Ing. Moritz Seidel. Die letzte Beteiligung eines Familienmitgliedes am Betrieb war die Geschäftsführerschaft des studierten Textilchemikers Dr. Thomas Seidel von 1964 bis 1967.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren in Hacking einige Kriegsschäden zu beseitigen, da die Fa. Seidel wegen ihrer Nähe zur Bahn kleinere Bombentreffer abbekommen hatte. In den 1950er-Jahren gingen die Geschäfte sehr gut, besonders das Färben von Schistoffen (Schihosen), hier teilte man sich mit Winkler & Schindler praktisch den Markt auf.

1974 wurde nochmals ein bisschen umgebaut. Es hatte sich über Jahre hinweg bereits ein enormer Investitionsbedarf angestaut. In der Erkenntnis, die hohen erforderlichen Investitionen nicht mehr verdienen zu können, wurde die Fabrik 1978 geschlossen. 1981/82 erfolgte der Abbruch der Gebäude und der Neubau des Auslieferungslagers der Fa. Morawa. Nur das denkmalgeschützte ehemalige Gasthaus „Zum Deutschen Orden“ mit Baukern aus dem 17. Jh. musste stehen bleiben und wurde nach jahrelangen Auseinandersetzungen zwischen der Fa. Morawa und dem Bundesdenkmalamt schließlich 1995 renoviert – heute ist darin deren Verwaltung untergebracht.

Quellen:

[1]…Kontaktkopie 85×60 mm, Agfa Lupex, beschriftet mit „Wien XIII, Hackinger Kai 9“, Eigentum schlot.at-Archiv

[2]…www.1133.at, Färberei Seidel, 22.07.2016

[3]…Compass Verlag (1925): Industrie-Compass Österreich 1925/26, Wien. 1580

AT | 1230 Wien | Klavierfabrik Pattart

Im Bereich Endresstraße 18, 1230 Wien, befindet sich die ehemalige Klavierfabrik Pattart bzw. Luner [1]. Fotos schlot.at (2009). Es besteht Denkmalschutz für das Areal [1].

Dort ist vermerkt:

Endresstraße 18: Ehem. Klavierfabrik, Parttart steht per Bescheid unter Denkmalschutz (§3) und wurde vom Baumeister Josef Schneider errichtet: „Die charakteristische Anlage aus der Jahrhundertwende besteht aus vier Teilen: dem Wohnhaus, 1892 (…), und dem Fabrikationstrakt im Hof, dem an der Straßenfront anschließenden Repräsentationstrakt mit dem ‚Claviersalon‘ (für Konzerte und Ausstellungsraum für 150 Klaviere), schließlich der Verlängerung des Fabriksgebäudes und der Errichtung eines Kesselhauses, 1901.“ (Zitat Achleitner). Gemäß Wertanalyse Wehdorn/Georgeacopol im Buch „Baudenkmäler der Technik und Industrie in Österreich“ ist die Klavierfabrik „eine stadttypische Industrieanlage mit hohen geschichtlichen und baukünstlerischen Werten“.
Es wird vorgeschlagen die Schutzzone um die hinteren Fabrikstrakte der ehem. Klavierfabrik Parttart (später Luner) zu erweitern, da diese auch noch weitgehend original erhalten sind und einen wichtigen Teil der gesamten Anlage bilden (und vermutlich auch als Gesamtes unter Denkmalschutz stehen, da auf Grundstücksnummer 731/8 liegend). Um den Erhalt zu sichern wird empfohlen die Gebäude bestandsgenau sowohl bezüglich der Höhenentwicklung, als auch hinsichtlich der bebaubaren Fläche zu widmen (im aktuellen Planentwurf keineswegs der Fall).

[1]…Initiative Denkmalschutz, 16.07.2016

AT | VB | Vöcklabruck | ETERNIT-Werke, um 1940

Schnappschuss [1] vor dem Eingang der ETERNIT-Werke Vöcklabruck, um 1940. Die Werke, die sich der Herstellung von Asbestzement in Form von Dächern, Fassadenplatten und Röhren widmen, bestehen seit 1894 [2].

AT-VB-Eternit

Auf der Firmenwebsite wird der Pioniergeist von Gründer Ludwig HATSCHEK wie folgt beschrieben [2]:

1894 hat Ludwig Hatschek die Idee von einem Produkt, das die Baubranche verändern soll. Er beginnt an einem Baustoff zu arbeiten, der leichter als Ziegel, günstiger als Schiefer und besser als Blech sein soll […]

Klassische ETERNIT-Dächer und -Fassaden sind äußerst haltbar und verwitterungsresistent, enthalten jedoch Asbest, was beim Rückbau oder Abriß von damit versehenen Gebäudeteilen zu erhöhtem Aufwand führt, sind freie Asbestfasern doch lungenwegsam und zerstören bei deren Einamtung die Lungenaveolen.

Entgegen der gängigen Meinung sei an dieser Stelle festgestellt:

  • Asbest ist eine natürliche nadelige mineralische Faser, die bei der Verwitterung von Amphiboliten und Serpentiniten entstehen kann.
  • Asbest ist nicht giftig, aber in der Handhabung (Verarbeitung, Rückbau) gefährlich.

Quellen:

[1]…Negativ 9×6 cm, Eigentum schlot.at-Archiv (2016)

[2]…eternit.at – Geschichte, 15.07.2016

AT | 1120 Wien | Schokoladenfabrik Küfferle | 1941

W-12-kuefferle

Ein Zufallstreffer in puncto Industriearchitektur: Schnappschuss [1] einer Partie von Wehrmachtssoldaten an der Böschung des Meidlinger Bahnhofes entlang der Eichenstraße anno 1941. Die im Fotohintergrund erkennbare Zuckerwarenfabrik Küfferle war in Wien 12., Eichenstraße 60 etabliert [2]. Eine Adressangabe aus 1959 erwähnt „Wien 12., Eichenstraße 60/64“ [3].

Die Fassade der Fabrik ist am vorliegenden Foto durch einen mächtigen gesperrten Firmenschriftzug und große, vertikal stark untergliederte Fabriksfenster gegen die südlich gelegene Eichenstraße geprägt. Eine Innenansicht aus 1953, der genau diese verikal gegliederten Fenster zeigt, findet sich im Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek und stammt aus US-amerikanischer Fotografenhand [2].

Die Firma Küfferle wurde 1866 gegründet. 1959 beschäftige die Küfferle Aktiengesellschaft 210 Arbeiter und 50 Angestellte [3]. 1972 wurde das Unternehmen an die Fa. Hofbauer verkauft [4] und genießt noch immer österreichweit durch Produkte wie Schokoschirmchen und Katzenzungen einen sehr hohen Bekanntheitsgrad. Wohl auch deshalb rührt man seitens des heutigen Schweizer Eigentümers Lindt&Sprüngli den Markennamen Küfferle nicht an.

Quellen:

[1]…Foto 55 x 40 mm, „Abschied von Wien, 5. April 1941“, Eigentum schlot.at-Archiv (2016)

[2]…bildarchivaustria.at – Zuckerwarenfabrik Küfferle, 27.04.2016

[3]…Compass Verlag (1959): Industrie-Compass Österreich 1959, Wien. 1762

[4]…genuin.at – Küfferle, 27.04.2016

AT | 1020 Wien | Donauwerk Ernst KRAUSE & Co

Anbei eine kurze illustrierte Firmengeschichte für das Donauwerk Ernst KRAUSE & Co, [1-3], später die Ernst KRAUSE & Co AG [4-5] in Wien – Leopoldstadt, heute als Krauseco Werkzeugmaschinen GmbH [10] in Wien 12 etabliert.

Laut Compass 1925 [4] wurde das Unternehmen 1905 gegründet. Es wurden Präzisions-Werkzeugmaschinen und –werkzeuge erzeugt, importiert und exportiert [3]. Im schlot.at-Archiv befindet sich ein Katalog von importierten amerikanischen Werkzeugmaschinen aus 1911 [1], der durch seine geschmackvolle Jugendstil-Typographie ins Auge sticht. Darin ist eine Zeichnung über das Firmengelände enthalten – siehe Fotos. Ferner liegt uns ein Arbeitsübereinkommen aus 1913 vor. Katalog, Arbeitsübereinkommen und ein zeitgenössischer Bezirksplan [2] belegen die ursprüngliche Adresse „Wien XX/2, Engerthstraße 165“. Für die Pionierzeit der Firma werden Niederlassungen in Prag und Budapest erwähnt [1,3].

Jüngere Nachweise aus 1925 und 1930 [4,5] geben eine Adressänderung nach „Wien  XX/2, Engerthstraße 151“, heutiges Wien – Leopoldstadt, bekannt.

1925 werden Zweig-Niederlassungen in Prag, Budapest, Berlin, Köln, Amsterdam und Warschau beschrieben. Die Firma verfügte damals über 580 Arbeiter und 660 PS Elektromotorenkraft [4].

Man widmet sich bereits seit 1926 der Herstellung von dreirädrigen Sonderfahrzeugen [11].

1930 annonciert man mit neuem elliptischem Logo „KRAUSECO“als „Hersteller hydraulischer Universal-Material-Prüfmaschinen, Baustoff-Prüfmaschinen, ferner Präzisions-Werkzeugmaschinen und –werkzeuge“ [5].

1943 findet sich ein Nachweis für „Krauseco“ am Standort Wien XX/20, Engerthstraße 151 als „Das Lastauto mit 3 Rädern“, Fabrik und Verkaufszentrale E. Krause & Co. [6].

1959 firmiert die Firma KRAUSE & Co, Werkzeugmaschinenverkauf und –fabrik (Donauwerk) am selben Standort, hat allerdings in Wien 18., Martinstraße 57-59 eine Motoreninstandstetzungs- und Feinbohrwerkstätte etabliert. Als Zweigbetriebsstätten werden Linz und Graz genannt [7].

1979 finden sich betreffen die Standorte unveränderte Angaben zu 1959. Als Branchenangabe wird „Werkzeugmaschinenfabrik und –handel. Donauwerk: Präzisions-Werkzeugmaschinen (Feinbohrmaschinen, Sondermaschinen, Transferstraße“ genannt. Ein „Zweigbetrieb für Motorinstandsetzung und Stahlspritzen“ besteht in der Martinstraße 57-59, Wien 18, weitere Zweigbetriebsstätten befinden sich in Linz und Graz [8].

 1994 fusionieren die Unternehmen Firmen Ernst Krause & Co. und Mauser-Werke Oberndorf Maschinenbau GmbH zu einer internationalen Unternehmensgruppe [9].

2016 hat das Unternehmen KRAUSECO Werkzeugmaschinen GMBH seinen Sitz in Wien 12., Wolfganggasse 58-60 [10] und widmet sich der Fertigung von Werkzeugmaschinen und Sonder-Werkzeugmaschinen für die spanabhebende Fertigung von Werkstücken des gesamten automotiven Antriebsstrangs [11].

 

Quellen:

[1]…Donauwerk Ernst KRAUSE & Co Wien – Prag – Budapest (1911):. Sonder-Katalog Nr. 61, Umschlag und Vorsatz. Eigentum schlot.at-Archiv

[2]…Artaria & Co (o.J.): Wien 20. Bezirk / Brigittenau, Maßstab 1:4000. Nach Angaben des Städtischen Feuerwehrkommandos und nach dem General-Regulierungsplane des Wiener Stadtbauamtes revidiert im Institute der Verlagshandlung (Dr. K. Peucker). Eigentum schlot.at-Archiv

[3]… Donauwerk Ernst KRAUSE & Co (1913): Arbeitsübereinkommen vom 22.09.1913

[4]…COMPASS-VERLAG (1925): Industrie-Compass Österreich 1925/26, Wien. 558

[5]…TGM Wien (1930): Technisch-gewerbliche Bundeslehranstalt Wien I 1880-1930. Festschrift, Selbstverlag. Annonce der Firma Ernst Krause & Co, Anhang-Seite XIV

[6]…Amtliches Fernsprechbuch Wien 1943, Wien.262

[7]… COMPASS-VERLAG (1959): Industrie-Compass Österreich 1959, Wien. 825

[8]… COMPASS-VERLAG (1979): Industrie-Compass Österreich 1979/80, Wien. 802

[9]… http://www.krause-mauser.com/de/unternehmen/firmengeschichte/   10.04.2016

[10]… http://www.krause-mauser.com/de/unternehmen/konzernstruktur/krause/   10.04.2016

[11]… https://de.wikipedia.org/wiki/Krauseco_Werkzeugmaschinen   10.04.2016

 

AT | WE | Welser Industriebahn – Plandarstellung

Von 1922 bis ca. 2010 bestand in Wels eine Industriebahn, welche mehrere Firmenareale mit der Westbahntrasse verband. Es waren das alte Gaswerk Wels (in unten stehenden Quellen als E-Werk bezeichnet), die Fa. KNORR (Trasse auf diesem Bild erkennbar), die Lederfabrik ADLER, die Hutfabrik BLUM (1834-1935), der Ofenbauer STREBEL, der Landmaschinenerzeuger EPPLE-BUXBAUM, das Welser Lagerhaus, die 1978 geschlossene Welser Papierfabrik, das Transportunternehmen ENGLMAYER und zuletzt das Möbelhaus LUTZ angeschlossen.[2]

Zu Details siehe Quelle [2], für Fotos und eine weitere Planskizze Quelle [3], im Beitrag ebendort ganz unten.

Im Plan [1] dargestellt ist auch eine weniger bekannte Betriebsbahn, die von der Welser Lokalbahntrasse über die Maria-Theresia-Straße zur am Mühlbach gelegenen Fa. FRITSCH [2] der Fritschmühle [1, zweites Planfoto] führte. Fotos davon aus 1984 und 1986 sind in Quelle [4] zu finden.

Quellen:

[1]…KIMESWENGER, H. (o.J.): Lageplan der Stadt Wels 1:12.000, Verlag Leitner & Co., Wels, OÖ. Eigentum schlot.at-Archiv (2016)

[2]…Welser Industriebahn auf wiki, 09.04.2016

[3]…Welser Industriebahn auf drehscheibe online, 09.04.2016

[4]…Fritschmühle – Betriebsbahn, spoorkees.nl, 09.04.2016

AT | Arbeiterportrait | Schlachter

Zwei meisterhafte Arbeiterportraits um 1905 [1] und 1915 [2] zeigen die Belegschaft eines bis dato unbekannten Schlachtbetriebes. Zu sehen sind neben den gestreift adjustierten Lehrlingen [1] und den vierschrötigen Gesellen, welche das Zunftzeichen auf ihrem Trägerleibchen tragen [1,2] auch die zu schlachtenden Rinder; am jüngeren Foto [2] hat der Jungstier bereits die Augen verbunden.

Nicht ohne stolz posieren die jungen Männer mit weißem Fleischerkittel und dem am Gürtel hängenden Wetzstahl.Am jüngeren Foto ist ein älterer Mann mit Anzug, Gilet, Krawatte, Taschenuhr und Hut in Gefolgschaft zweier Kinder zu sehen. Er kommt als Fleischermeister oder als Rinderlieferant in Frage.

Die Fotos vermitteln den Eindruck, dass hier nicht unter großindustriellen, nicht nachvollziehbaren Bedingungen geschlachtet wird. Zwei Portraits aus einer Zeit, in der Fleischkonsum noch nicht jeden Tag erfolgte und die Lebensmittelproduzenten es noch nicht nötig hatten, sich in puncto Qualität und Preis auf Kosten der geschlachteten Tiere und der Konsumenten zu unterbieten.

[1]…CDV 142 x 104 mm von Fotograf Gustav SIMON, Melk an der Donau, um 1905. Eigentum schlot.at-Archiv (2016)

[2]…Postkarte 139 x 88 mm, Fotograf K. Kraus, Liesing, um 1915. Eigentum schlot.at-Archiv (2016)

 

AT | GF | Zistersdorf | Ölbohrung RAKY | um 1935

Zwei Aufnahmen des RAKY-Erdöl-Bohrturmes bei Zistersdorf/Gänserndorf/Niederösterreich [1,2].

Nach Erdölfunden in der Slowakei begann man im Österreich der 1920er Jahre, sich ebenfalls für den wichtigen Rohstoff zu interessieren. Nach Schaffung neuer gesetzlicher Grundlagen wie dem Freischurf-Zulassungsgesetz vom 20.10.1921 (BGBl. Nr. 587/1921) begann die Suche nach Erdöl im österreichischen Weinviertel. Geologische und geophysikalische Prospektion ermöglichten erstmals präzise wissenschaftliche und lagerstättenkundliche Lageinfomationen über Sedimente sowie Erdöl- und Erdölvorkommen.

Die VACUUM OIL COMPANY beauftragte den Geologen K. FRIEDL anno 1925 mit einer Neukartierung der Sedimente im Wiener Becken [3]. Die daraufhin (von mehrerern Betreibern, u.a. Anton RAKY) abgeteuften Bohrungen waren teils nur wissenschaftlich interessant, sind aber als Pioniertaten der österreichischen Erdölerkundung zu werten. Es konnten Erdöl- und Erdgasfelder erkundet werden, die bis heute ertragreich sind.

Raky_001 Raky_002

Quellen:

[1]…S/W – Negativ 24 x 35 mm #58/59,  erkannt aufgrund von Foto-Vergleichen als Erdölbohrung  RAKY/Zistersdorf. Eigentum schlot.at (2016)

[2]…Stereofotografie, links Hälfte, 81 x 59 mm, o.V., Eigentum schlot.at (2014)

[3]…BRODNER, R., CECH, F. et al. (o.J.): ÖMV-OMV | Die Geschichte eines österreichischen Unternehmens. 18ff

AT | WU | Strombad Kritzendorf | Donau gegen GEVAERT-Film

Ein interdisziplinärer Versuch: Was ist auf einem achtzig Jahre alten Film zu sehen, den die Donau an Land gespült hat?

Die kurze Vorgeschichte:

schlot.at (MM) hat am 08.12.2015 bei Donau-Niederwasser am Strand des Strombades Kritzendorf einen im Sediment steckenden 8mm-Film der Traditionsmarke GEVAERT gefunden. Der Film war auf einer schwarz lackierten Blechspule mit der Stanzung „GEVAERT   MADE IN BELGIUM“ aufgewickelt und fast vollständig mit feinkörnigem Fluss-Sediment umgeben. Aus reiner Neugierde wurde der Film geborgen und mit dem Filmmuseum Wien Kontakt aufgenommen.

Bereits am 09.12.2015 meldete sich Paolo CANEPPELE, Leiter der Sammlungen des Filmmuseums, und bekundete Interesse an einer Sichtung des Filmmateriales. Nach Trocknung des Filmes wurde die Sichtung für 19.01.2016 vereinbart. Für den sehr erfahrenen Herrn Raoul SCHMIDT war die Arbeit mit derartigem Filmmaterial laut eigenen Angaben eine Premiere. Auf einem Sichtungstisch wurde der Film mit Spatel und Pinsel sorgfältig vom gröbsten Sediment befreit und nach und nach abgerollt. Die äußersten paar Meter trugen keinerlei belichtete Emulsion, weiter innen konnten verschwommene belichtete Teile des Filmes, jedoch ohne klares Bild, gefunden werden.

Für schlot.at und und das Filmmuseum Wien war die Sichtung eine interessante Premiere. Immerhin schaffte die Donau nicht, sämtliche belichtete Teile des ca. 80 Jahre Filmes auszuschwemmen. Im Folgenden findet sich eine kleine Dokumentation der Fund- und Aufarbeitungssituation.

Vielen Dank an Paolo CANEPPELE und Raoul SCHMIDT für die Aufgeschlossenheit und die Kooperation!

Ein Ersuchen des Filmmuseums: Wenn Sie obsoletes analoges Filmmaterial zu Hause haben, setzen Sie sich bitte mit dem Filmmuseum Wien in Verbindung.

AT | 1150 Wien | urban fonts 1 | Wäscherei VELOX

Das haptisch interessanteste Schlot-Projekt 2015:

Die Rettung eines absturzgefährdeten 20er Jahre-Schriftzuges aus Wien 15., Märzstraße 102, Ecke Sturzgasse.

Die mittlerweile seit einigen Jahren geschlossene Wäscherei VELOX wurde 1951 als „VELOX – Rudolfsheimer Automatenwäscherei Richter & Co., Komm.-Ges.“ mit der Adresse Wien 15., Märzstraße 102 gegründet [1].

Der geborgene Schriftzug aus Aluminium-Guss dürfte aufgrund typographischer Gleichheit mit mehreren Objekten der 1920er Jahre (mehrere Gemeindebauten in Wien, Strombad Kritzendorf) den späten 1920er Jahren entstammen und bereits von einem Vorgängerbetrieb der (Nachkriegs)-VELOX benutzt worden sein.

Nach Entdeckung des Schriftzuges im März 2015 wurde dieser einer ersten Sichtung unterzogen und dessen akute Absturzgefahr erkannt. Nach  Kontaktaufnahme mit der zuständigen Hausverwaltung konnte vereinbart werden, dass schlot.at den Schriftzug als Gegenleistung für die Abwendung der Gefahr allfälliger herabstürzender Metallkonstruktionen behalten darf. Hier sei Fr. Elvira SPANNY herzlich für ihr Engagement und die diesbezügliche Vertragsaufsetzung gedankt.

Mithilfe einer Flex und einer Leiter von Univ. Ass. Mag. Dr. Robert PETICZKA und der nötigen Stromversorgung vom benachbarten Friseursalon ELFI (Inh. Susanne SCHMID) ging es am 18.04.2015 mit allen drei damaligen schlot.at – Protagonisten WH, CS und MM zur Sache. Susanne MARKYTAN sorgte für die professionelle Fotodokumentation der Angelegenheit vor Ort. Die folgende Fotostrecke [2] zeigt den ursprünglichen Zustand der Lettern und die langwierige Arbeit daran bis zu deren Sanierung und Archivierung durch schlot.at.

Nochmals vielen Dank an alle, die diese Rettung von typographischem und gewerbegeschichtlichem Kulturgut unterstützt haben.

Quellen:

[1]…COMPASS VERLAG (1959): Industrie-Compass Österreich 1959, Wien. 1373

[2]…Fotos der Arbeiten am Objekt von Mag. Susanne MARKYTAN

 

 

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