AT | 1020 Wien, Donauverladestelle | Lagerhäuser der Stadt Wien

Arbeiterporträt vor Donau-Verladestelle, 1020 Wien – Lagerhäuser der Stadt Wien, Kaianlage

Arbeiterporträt

Donauverladestelle, Fotografie Fachet, 01.08. 1924, : Eigentum schlot.at-Archiv

 

Lage:

zwischen der 18701 erbauten Stadlauer Staatsbahnbrücke (heute: Stadlauer Ostbahnbrücke) und der Reichsbrücke.
Arbeiterporträt auf dem Gelände/Güterumschlagsplatz zwischen Donau, Handelskai und früherem Endpunkt der Ausstellungsstraße.

Fotografie:

Fotografie von Kammerfotograf Martin Fachet, Sieveringerstraße 5, 1190 Wien, am 01.08. 1924 – Stempel rückseitig.

 

 Von Franz Blattner in den 1950er Jahren an die Gewerkschaft für Handel, Transport und Verkehr in einer Transportrolle verschickt worden. Franz Blattner war Bezirksrat in der Leopoldstadt in den Jahren zwischen 1955 und 1959.2

Im Fokus steht eine Gruppe von Männern und Frauen unterschiedlichen Alters mit leichter Arbeitskleidung, teilweise barfuß. Die hellen Schürzen weisen keine starken Verschmutzungen wie zb. bei Arbeiten mit Kohle auf.

 

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Ausschnitt: Arbeiter und Arbeiterinnen, Donauverladestelle, Fotografie Fachet, 01.08. 1924

 

Zwei Gleise mit Weichenverbindung im Mittelgrund. Im Vordergrund – vor der Gruppe der Arbeiter – links eine Weiche, rechts ein Spill – möglicherweise Teile einer Rangier- und Spillanlage.

Halbportalkrananlage als Verladekran zwischen Schiffen und Lagerhaus bzw. Magazin, erbaut von Amme, Giesecke & Konegen, laut Aufschrift auf dem Kranhaus.

 

 

Die Blitzableiter (im Bildhintergrund, auf dem Gebäudegiebel) wurden 1917 vom Stadtrat genehmigt und von der Firma „Ericsson“ ausgeführt und angebracht.3

Baubeschreibung:

Zweigeschossiger, regionstypischer Sichtziegelbau des ausgehenden 19./beginnenden 20. Jahrhunderts mit unterschiedlichen Mauerverbänden und Ziegelfriesen (zb. Kerbschnitt) zur dezenten Gliederung der Fassade, die ansonsten schmucklos ist. Häufig verwendeter Bautypus für Handels-, Kommunal- und Industrieanlagen ab dem 3. Viertel des 19. Jahrhunderts bis ins 1. Viertel des 20. Jahrhunderts (ab 1910 kaum noch). Der gesamte Bau steht traufständig zum Donauufer, dazwischen die Gleisanlage für die Güterwaggons und der Halbportalkran4 zur Be- und Entladung von Schiffen.

 

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Ausschnitt: Sichtziegelbau, Donauverladestelle, Fotografie Fachet, 01.08. 1924

 

Die klar durch Lisenen gegliederten Achsen weisen je 2 schmale Segmentbogenfenster mit Lüftungsklappen auf, die größere Verladeöffnungen flankieren.

Einführung in die Geschichte der Lagerhäuser:

Schon 1878 hatte die Stadt Wien durch Erbauung zweier Magazine am Donauufer für die städtischen Lagerhäuser begonnen, fördernden und regelnden Anteil am Umschlag zu nehmen. In rascher Folge wurde die Anlage erweitert [..]“5

1909 wurde wegen „Mangels moderner Einrichtungen“ und weil die Anlage weniger Ertrag abwarf, als sie könnte, modernisiert, was offenbar schon länger diskutiert und dann endlich beschlossen wurde. Es bestand die Absicht das Gebiet zu einem „Hauptstapelplatz für Getreide“ zu machen.

Ausbauten von Hallen und Magazinen, Neubauten von Magazinen, technische Einrichtungen, Vergrößerungen und Zusammenfassung des Geländes wurden stetig vorgenommen. 6

Finanzieller Zuschuss und Auftragsvergabe mehrere Elevatoren für Magazine des städtischen Lagerhauses an Amme, Giesecke & Konegen wurden im Frühjahr 1917 vom Stadtrat genehmigt.7 Zu dieser Zeit hatte die Braunschweigische Firma einen Sitz in Wien Simmering.8 Bereits um 1910 hatte die Mühlenbauanstalt Amme, Giesecke & Konegen AG einen Sitz in 1090 Wien und vergrößerte ein Jahr zuvor – 1909 – die Roggenmühle Skaret, Hanusch & Co. (Hammerbrotwerke und Dampfmühle) in (direkt an der heutigen Grenze) Schwechat.9

192410 Zuschusskredit per Gemeinderatsbeschluss für die Erbauung von drei neuen Warenmagazinen (für 1000 Mio. Kronen) in der Prateranlage der Lagerhäuser der Stadt Wien, für die Deckung der durch „Lohnsteigerung [..] verursachten Mehrkosten“ (für 100 Mio. Kronen) und für die Errichtung und Erweiterung des Projektes einer Rangier- und Spillanlage (für 400 und 50 Mio. Kronen) in der Kaianlage der Lagerhäuser an Amme, Giesecke & Konegen.11

Bis zum 31. Jänner 1925 zählten die städtischen Lagerhäuser, die auf großen Flächen unterschiedlich verteilt lagen und immer mehr ausgebaut wurden, zu den städtischen Unternehmungen. Danach wurden alle in einer handelsgerichtlich protokollierten Firma unter dem neuen Namen „Lagerhäuser der Stadt Wien“ zusammengefasst und von der Stadt Wien als Inhaberin betrieben.12

Die städtischen Lagerhäuser gliederten sich in 6 verschiedene Teilbetriebe:13

  • Die Kaianlage: an der Donau, zum „Donauumschlagsverkehr und Transitgeschäfte“ zwischen Donaustrom und Handelskai. Da liegt auch der große Getreidespeicher (ehem. Magazin X) = Landungsplatz und Bahnhof der Station Wien Lagerhaus, 1020
  • Der Speicher Zwischenbrücken: an der Donau, zum „Donauumschlagsverkehr und Transitgeschäfte“, zwischen Handelskai und Donaustrom, 1200
  • Der Freudenauer Winterhafen: an der Donau, zum „Donauumschlagsverkehr und Transitgeschäfte“: Magazine und eigener Bahnhof
  • Das Kühllagerhaus: „für Zwecke des Wiener Approvisierungsverkehrs“: Engerthstraße, durch Bahngleise mit der Kai- und der Prateranlage verbunden. Für Fleisch, Wild, Geflügel, Fisch, Eier, Butter, Obst
  • Die Prateranlage: „für Zwecke des Wiener Approvisierungsverkehrs“ (Versorgung der Bevölkerung): Ausstellungsstraße, 1020, 19 Magazine zur Warenlagerung, maschinelle Getreideputzerei, Misch- und Siebanlage für Mehl
  • Die Frucht-, Trocknungs- und Veredelungsanlage: auf der Prateranlage in der Ausstellungsstraße. Für Pflaumen, Dörrung, Trocknung und zum Schälen, Polieren, Halbieren von Erbsen.

 

In der Kaianlage gab es neben dem großen Getreidespeicher noch 2 zweigeschossige Magazine für je 400 Waggons für Getreide und Stückgutlagerung.14 

 

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Die beiden Magazine VIII und IX. Das Magazin X rechts unten im Bild wird kurz darauf durch den großen Getreidespeicher ersetzt. Generalstadtplan der Stadt Wien, 1904, Aus: https://www.wien.gv.at/kulturportal

Zwischen 1913 und 1928 wurden die Gebiete der späteren Lagerhäuser der Stadt Wien stark erweitert und zusammengefasst. 1913 waren die Kai- (Aufnahmeort der Fotografie) und die Prateranlage die ältesten Bauteile des Areals mit drei Landungsplätzen: Wien Lagerhaus, Wien Speicher Zwischenbrücken und Wien Winterhafen.15

Mögliche Gründe für die Fotografie – Annahmen:

  1. Organisatorische Umgestaltung der Lagerhäuser 1924/25 – Bestandsaufnahme als Auftrag an Kammerfotografen Martin Fachet16 erteilt. Solche Aufträge bekam er öfters zb. Gänsehäufel.17
  2. Zahlreiche Umbauten und Erweiterungen wurden im Sommer 1924 beschlossen. Dennoch bleibt hier die Frage des Hauptaugenmerks auf die eigens versammelte Arbeiterschaft.
  3. Auftrag zur Erfassung der Arbeiter ev. wegen arbeitsrechtlicher, gewerkschaftlicher Gründe. Das Foto wurde in den 1950er Jahren an die Gewerkschaft für Handel, Transport und Verkehr geschickt und der Absender war Bezirksrat18 im zweiten Bezirk.

__________________________________________________________

2 Handbuch der Stadt 1954, Nachtrag Dez. 1954, S. 10

3 Amtsblatt der Stadt Wien, Band 1917, Nr. 31, 17.04. 1917, Stadtratssitzung vom 12.04. 1917, S. 701

4 Meyers Konversationslexikon, 1905, 6. Auflage, Abb. Krane II

5 Festschrift, S. 131

6 Neues Wiener Tagblatt(Tagesausgabe), Wiener Angelegenheiten, Ausgestaltung des städtischen Lagerhauses, 17.06. 1909, S. 8f.

7 Amtsblatt der Stadt Wien, Band 1917. Nr. 12, 09.02. 1917, Stadtratssitzung vom 01.02. 1917, S. 224

8 Wiener Kommunalkalender, 1919, Anzeige, S. 32

10 Amtsblatt der Stadt Wien, Nr. 50, Jg. 23, Finanzausschuß, 1924, 21.06.1924,  Titelseite

11 Amtsblatt der Stadt Wien, Nr. 51, Gemeinderat, 25.06. 1924, S. 707

12 Das neue Wien. Städtewerk, Band 4, 1928, S. 169 und Lehmann 1925, Band 2, S. 160

13 Das neue Wien. Städtewerk, Band 4, 1928, Seite 170ff.

14 Das neue Wien, Städtewerk, Städtische Lagerhäuser, Band 4, Wien 1928, S. 170

15 Das neue Wien. Städtewerk, Band 4, 1928, S. 173

16 Lehmann 1924, Band 2, Seite 681

17 Amtsblatt der Stadt Wien, Band 1911, Mai, Nr. 42, 26.05. 1911, Stadtratssitzung vom 17.05. 1911, S. 1318

18 Handbuch der Stadt 1954, Nachtrag Dez. 1954, S. 10

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AT | 1030 Wien | Ehem. neues Schweineschlachthaus St. Marx – Arena Wien

Auszug aus der umfangreichen Geschichte zum Standort des ehem. neuen Schweineschlachthofes St. Marx – dem heutigen Kulturzentrum „Arena“

Donau Auen – Donauregulierung

Die Donau erhält den größten Teil ihrer Zuflüsse aus den Alpen und weist daher stark schwankende Wasserstände auf. Im Wiener Becken bildete sie ein ganzes Netz wechselnder Wasserarme aus. Weitreichende Überflutungen bei Eisgängen und Hochwässern bedrohten wiederholt die Stadt und behinderten vorübergehend ihre Entwicklung. Bereits um 1800 konnten durch einen Donaukanaldurchstich einige Gebiete in Erdberg trockengelegt und parzelliert werden.1

 

Quelle: Stadt Wien – Vienna GIS, www.wien.gv.at/viennagis/
Links: 1780: vor der Donauregulierung – Rechts: 1875: nach der Donauregulierung

Gebietsansiedelungen // Stadtteilentwicklung

Versorgungsbetriebe mit gegenseitig ergänzenden Bedürfnissen und Angeboten siedelten sich in Erdberg an wie zb. Wasenmeister (Tierkörperverwertung), Leimsieder und Weißgerber.

In St. Marx und Simmering wurden die Gebiete entlang einer alten Römerstraße und wichtigen Handels- und Verkehrsroute (St. Marxer Linie, heutiger Rennweg und Simmeringer Hauptstraße) durch Viehstände, einen Schweinemarkt beim Bürgerspital, eine Kaserne, eine Bahnstation, eine Teerfabrik, eine Waggonfabrik, eine verlegte Tierkörperverwertung, Gas- und E-Werk, Schlachthäuser, Fleichselcher, Seuchenhöfe, später Kühlhallen und eine Wurstfabrik erschlossen.

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Erster Schweinemarkt beim Bürgerspital St. Marx. Detail aus: Neuester Plan der Haupt- und Residenzstadt Wien und dessen Vorstädte, Artaria, Wien 1824 Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wien_Stadtplan_1824-pdf-gesticht.jpg


Der Bau des neuen Schweineschlachthofes

Der Bauingenieur Max Fiebiger (1867-1958) war seit 1900 mit diversen Erweiterungsbauten am Zentralviehmarkt betraut und entwarf und leitete den Bau des neuen Schweineschlachthauses (1908-10, heutige Arena) und des großen Kontumaz(Quarantäne)- und Seuchenhofes (1916-22, alte Arena).

Ing. Max Fiebiger

Stadtbaudirektor Ing. Max Fiebiger Quelle: Tillmann, Rudolf, Festschrift herausgegeben anlässlich der Hundertjahr-Feier des Wiener Stadtbauamtes, Wien 1935, S. 52


1920-25 war er als Stadtbaudirektor tätig und baute zahlreiche Schulhäuser und Kindergärten, Schweinemastanstalten, Kühlhallen, Schlacht- und Seuchenhöfe, Straßen, Kanäle, erweiterte die Hochquellenwasserleitung. Übriggebliebene Gasbeleuchtung wurde durch elektrische Lampen modernisiert. Ebenso war er an Bauprogrammen zur Schaffung von Kleinwohnungen beteiligt.2

Ab April 19083 (Auftragserteilung 19054) wurde an der Ecke Baumgasse und geplantem Landstraßer Gürtel (heutiger Franzosengraben) auf einer Grundfläche von 15.865 m² an einer Schweineausladerampe der Schlachthausbahn der neue Schweineschlachthof mit einer Fläche von 8.289 m²5 für 1500 Schweine in Warte- und Stechbuchten6 errichtet.

Das Terrain musste bedeutend aufgeschüttet werden; die wichtigsten Gebäude waren aber schnell errichtet.7 Urspünglich war der Seuchenhof an dieser Stelle geplant, denn es existierten zahlreiche Seuchen unter den Haus- bzw. Nutztieren.8

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Beginn der Bauarbeiten Quelle: Die Gemeindeverwaltung der K.K. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien im Jahre 1908, Wien 1910, S. 254

Am 02. Jänner 1910 wurden schließlich die ersten Schweine eingetrieben9 und am 20. Juni 1910 eröffnet.

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Eröffnung des Schweineschlachthauses Quelle: Amtsblatt der K.K. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien, 19. Jahrgang, Wien 1910, S. 57


Der Betrieb des Schweineschlachthauses ersetzte damit die sonst üblichen Schweineschlachtungen an der Notstechbrücke in St. Marx und in den Rinderschlachthöfen.10

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Notstechbrücke am Zentralviehmarkt Quelle: Festschrift Wiener Stadtbauamt, 1935, S. 175

Hart an der Donau standen die öffentlichen Schlagbrücken der Fleischhauer. Man brachte dieselben in dieser Entfernung von der Stadt an, nicht nur um die Luft in den nächsten Umgebungen der Stadt rein zu halten, und die Gefahren, welche den Menschen bey Tödtung des Schlagviehes bevorstehen, zu entfernen, sondern auch um den Fleischhauern selbst mehr Bequemlichkeit zu verschaffen.“11

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Gesamtlageplan des Zentralviehmarkt; das neue Schweineschlachthaus befindet sich in der rechten oberen Ecke. Quelle: Paul, Martin, Technischer Führer durch Wien, Wien 1910, S. 236, Abb. 149

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Gesamtlageplan des Zentralviehmarkt; das neue Schweineschlachthaus befindet sich in der rechten oberen Ecke. Plan von Wien, Ausschnitt, 1935 Quelle: schlot.at

 

Die Gebäude und deren Einrichtungen

Die Kühlhalle (an Stelle der heutigen Open Air Wiese) bestand aus zwei Hallen, die durch eine Kohlensäure-Kühlmaschine mit Tandem-Heißmaschine (80 PS) als Antrieb gekühlt wurden. Das Kühlwasser, der Abdampf und das Kondensationswasser wurden dem Betrieb wieder zugeführt.

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Bombentreffer nach dem 2. Weltkrieg an der alten Kühlhalle auf dem heutigen Open Air Gelände Quelle: WSTLA, Bestand 3.3.21, Fotos aus dem Bestand M.Abt. 243, FC Positive, 4. Viertel 19.Jh.-2.H.20.Jh.: Nr. 103


Im damaligen und heutigen Verwaltungsgebäude waren im Erdgeschoß Amtsräume und eine Aufseherwohnung und im Obergeschoß eine Wohnung für den Schlachthofleiter und einen Aufseher untergebracht.12

Der heutige Kleine-Hallen-Trakt war als Sterilisierungsanstalt erbaut wurden und unterteilte sich in Wasch-, Umkleide-, Koch, Desinfektions-, Zerteilungs- und Untersuchungsraum sowie eine Freibank mit Warte- und Verkaufsraum und eine Kanzlei.
In diesem Trakt wurde Fleisch, das seuchenverdächtig war, sterilisiert und günstig in der Freibank verkauft. Die Freibank war im Erweiterungsbau von 1926 eingerichtet worden. Bei diesem heutigen Kleine-Hallen-Konzertraum handelte es sich um einen Verkaufsraum, in dem minderwertiges tw. mit Bandwurmlarven besetztes Fleisch oder Fleisch von kranken oder verunfallten Tieren günstig verkauft wurde. Kranke Tiere dürfen und durften nicht in normalen Schlachthöfen geschlachtet werden; das Fleisch nicht in normalen Fleischereien verkauft werden.13
Ein- und Ausfahrt lag beiderseits eines Torwächterhäuschens (heute noch mit nur einer Einfahrt vorhanden)

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Schlachthofarbeiter vor dem Freibankgebäude (Kleine Halle) mit Torwächterhäuschen, 1938 Quelle: WSTLA, Bestand 3.3.21, Fotos aus dem Bestand M.Abt. 243, FC Positive, 4. Viertel 19.Jh.-2.H.20.Jh.: Nr. 155

 

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Freibank – Verkaufsraum (Kleine Halle, von der Bühne, Richtung Ausgangstür), 1938 Quelle: WSTLA, Bestand 3.3.21, Fotos aus dem Bestand M.Abt. 243, FC Positive, 4. Viertel 19.Jh.-2.H.20.Jh.: Nr. 154

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Sterilisierungs- bzw. Sudraum (heutiger Dreiraum-Konzertraum) Quelle: WSTLA, Bestand 3.3.21, Fotos aus dem Bestand M.Abt. 243, FC Positive, 4. Viertel 19.Jh.-2.H.20.Jh.: Nr. 261

 

 

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Eröffnung der verlegten Freibank, 16. März 1950 (neben der heutigen großen Halle) Quelle: WSTLA, Bestand 3.3.21, Fotos aus dem Bestand M.Abt. 243, FC Positive, 4. Viertel 19.Jh.-2.H.20.Jh.: Nr. 492

Die Hallen und die diversen Räume wurden stetig umgebaut und erweitert; der Verkaufsstand an die südöstliche Einfriedungsmauer verlegt.

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Neue Freibank – Innenraum, 16. März 1950 (neben der heutigen großen Halle) Quelle: WSTLA, Bestand 3.3.21, Fotos aus dem Bestand M.Abt. 243, FC Positive, 4. Viertel 19.Jh.-2.H.20.Jh.: Nr. 491

 

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Arena Beisl – ehem. Meister- und Gesellenraum- Schlafstätten für die Lohnschlächter im Obergeschoß Quelle: Arena Archiv 2013


Im Trakt des heutigen Beisls waren Aufenthaltsräume für die Arbeiter: Gesellen, Gehilfen, Meister, Aufseher untergebracht.

Die importierten Schweine kamen hauptsächlich aus Ungarn und Bosnien und Herzegowina18 Jedoch konnte man Schweine selbst in den Schlachthof bringen und sie gegen Gebühr (90 Kronen für ein Schwein und 3 Tage Kühlhauslagerung) unterbringen, schlachten und in der Kühlhalle lagern.19

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Nicht mehr existent: Tötebucht mit Brühbottich und Enthaarungsmaschine, im März 1952 Quelle: WSTLA, Bestand 3.3.21, Fotos aus dem Bestand M.Abt. 243, FC Positive, 4. Viertel 19.Jh.-2.H.20.Jh.: Nr. 587

 

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Nicht mehr existent: Brühbottich, Enthaarungsmaschine und Auswerfer für Schweine, im März 1952 Quelle: WSTLA, Bestand 3.3.21, Fotos aus dem Bestand M.Abt. 243, FC Positive, 4. Viertel 19.Jh.-2.H.20.Jh.: Nr. 589

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Nicht mehr existent: Arbeiter in der Darmwäscherei Quelle: WSTLA, Bestand 3.3.21, Fotos aus dem Bestand M.Abt. 243, FC Positive, 4. Viertel 19.Jh.-2.H.20.Jh.: Nr. 560

 

Kunsthistorische Kurzanalyse

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Das einstige und heutige Verwaltungsgebäude Quelle: Arena Archiv 2013

Profaner Sichtziegelbau, erbaut im Landstraßer Stadtteil St. Marx in den Jahren 1908 – 191014 – am Höhepunkt der Bevölkerungsdichte15 Wiens – als Ausläufer der romantisch historistischen Industriebauten der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Um- und Anbauten aus dem 20. Jahrhundert.

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Alter Schriftzug an der heutigen großen Konzerthalle, darüber das typische Ziegelfries Quelle: Arena Archiv 2013

Die heutige große Konzerthalle beherbergte das Kessel- und Maschinenhaus sowie Kohlendepots, Maschinistenraum und diverse Lagerräume.

Die Eingangsfront hat den sakralen Charakter einer Basilika – einer mehrschiffigen, profanen Halle, die schon in der altrömischen Baukunst als Markt-, Gerichts- und Versammlungshalle16 diente. Übernahme durch die Christen; im 19. Jahrhundert ist die basilikale Grundform der vorherrschende Kirchentypus17.

Am Blendgiebel befindet sich ein mit Ziegeln stilisiertes Zahnschnittfries und ein großes Rundfenster. In der Frieszone befindet sich das seltene und für die Arena typische dreifache, zu einer Blume versetzte Zahnfries. An der Westwand finden sich über zweigeschossigen Rundbogenfenstern die Original-Schriftzüge „Kesselhaus“ und „Maschinenhaus“.

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Vorderfront der heutigen großen Halle Quelle: Arena Archiv 2013


Zum Verkauf des Auslandsschlachthofes und zum Ende der Schlachthöfe

Ab Mitte der 60er gingen die Lebendanlieferungen stark zurück, da mit dem „Fortschritt der Kühltransporttechnik“, „dem Ausbau der Verkehrslage“ und den ausgelagerten und billigeren „Produktionsgebieten“ nicht mitgehalten werden konnte. Ebenso gab es neue „Erkenntnisse“ und Vorschriften die „Lebensmittel- und Schlachthygiene“ betreffend, weswegen Mitte der 70er beide Schlachthöfe (damalige Auslands- und Inlandsschlachthöfe – Schweineschlachthaus am 21.6.7620) bereits geschlossen hatten und 1997 die Schlachtungen auch am Zentralviehmarkt beenden wurden.21

Im Sinne von Betriebsansiedelungen oder Betriebsausweitungen wurden [zahlreiche] Liegenschaften im 3. und 10. Bezirk verkauft.22

Zur Besetzung im Sommer 1976

Die Besetzung des Kontumazmarktes/des damaligen Auslandsschlachthofes im Rahmen der Wiener Festwochen diente als Ausdruck der Unzufriedenheit mit der Kulturpolitik der Stadt Wien und zeigte den Mangel an alternativen Kultureinrichtungen auf.

In der kurzen Zeit der Auseinandersetzungen mit der Stadt Wien haben die Besetzer mit vereinten Kräften und Zielen erreicht, ein funktionierendes, alternatives und frei zugängliches Kulturzentrum aufzubauen. Zwar wurde der besetzte Schlachthof trotz Widerstand abgerissen, doch der gegenüberliegende, kleinere Schweineschlachthof wurde zur freien, alternativen, kulturellen Umnutzung angenommen.

Schrägluftaufnahmen von Wien

Luftbildaufnahme des Auslandsschlachthofes 1956, Links das besetzte Areal: der spätere Auslandsschlachthof, der Austragungsort der Festwochen-Arena, Rechts oben der ehem. Schweineschlachthof – die heutige Arena Quelle: WSTLA, Presse und Informationsdienst Bestand 3.3.11, FC2Positive ehemaliger Ordner, 56170.81

Link zum Archivsystem: https://www.wien.gv.at/actaproweb2/benutzung/archive.xhtml?id=Stueck++0f7d1790-22eb-4b8b-8ea9-6e07bbde4a06VERA#Stueck__0f7d1790-22eb-4b8b-8ea9-6e07bbde4a06VERA

Nach dem Einzug der Bewegung in die „neue Arena“ fanden anschließend im Juli 77 bis Juli 78 Umbauarbeiten statt.23 Danach begann das regelmäßige und bis heute konsequent geführte Veranstaltungsprogramm am heutigen Arena-Gelände.

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Umbauarbeiten am Open Air Gelände 1994 Quelle: Arena Archiv


Großer Umbau der großen Halle und des Open Air Geländes: 1994-2004 durch das Architekturbüro Rataplan24

Die Gebäude der heutigen Arena sind stark restaurierungsbedürftig, da sie seit 40 Jahren für die Allgemeinheit genutzt werden. Eine der Besonderheiten ist die auffallende Ziegelfriesgestaltung.

Auszug aus dem Bescheid des Bundesdenkmalamtes Wien laut § 2 des Denkmalschutzgesetzes, 1997 – GZ.: 29.276/3/1997

„Alle Gebäude weisen die charakteristische Industriefassadengestaltung aus dem Ende des 19. Jahrhunderts mit der typischen Sichtziegelarchitektur auf, wobei hier die über die Hauptgesimse bzw. Giebelgesimse noch gezogenen Zierelemente in äußerst selten gewordener Komplettheit anzutreffen sind.“

“Die Gebäude des ehem. Schweineschlachthofes stellen mit ihren typischen und weitgehend vollständig erhaltenen Sichtziegelfassaden eine bereits selten gewordene Form dieser Industriebauweise aus dem Ende des 19. Jahrhunderts bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts in Wien dar und sind daher architekturgeschichtlich von besonderer Bedeutung.”

“Der Schweineschlachthof dokumentiert als einer der letzten erhaltenen Reste der einstigen Vielzahl an historischen Viehmarkt- und Schlachthofbauten in St. Marx einen bedeutenden Bereich der Wirtschaftsgeschichte Wiens um die Jahrhundertwende.”

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Nicht mehr existent: Reparaturen an dem Dach der im zweiten Weltkrieg von Bomben getroffenen Kühlhalle. Blick in Richtung Gasometer auf das Verwaltungsgebäude, 1947 Quelle: WSTLA, Bestand 3.3.21, Fotos aus dem Bestand M.Abt. 243, FC Positive, 4. Viertel 19.Jh.-2.H.20.Jh.: Nr. 115


Die Arena Wien ist eines der europaweit bedeutenden Beispiele für die funktionierende kulturelle Umnutzung leerstehender Fabriksgebäude durch autonome Gruppen.
http://arena.wien/


Bibliografie

1 Festschrift, 100 Jahre Wiener Stadtbauamt, 1835-1935, Wien 1935, S. 126 f.

2 Festschrift 1935, S. 53

3 Stadt Wien, Die Gemeindeverwaltung der k-u-k- Reichhaupt- und Residenzstadt Wien im Jahre 1908 VVII., Bericht des Bürgermeisters Dr. Karl Lueger, Verlag Gerlach und Wiedling, Wien 1910, S.254 – im WSTLA

4 WSTLA, Inhaltsverzeichnis für das Amtsblatt der k.u.k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien, XIV. Jahrgang, Gesetze, Verordnungen und Entscheidungen, Nr. 51 am 28. Juni 1910, Wien 1905; S.1056, Protokoll 5420 und S. 1358 Protokoll 7591(tgl. 600 Schlachtungen)

5 Festschrift 1935, S. 179

6 Ebenda, S. 180

7 Stadt Wien, Die Gemeindeverwaltung der k-u-k- Reichhaupt- und Residenzstadt Wien im Jahre 1908 VVII., Bericht des Bürgermeisters Dr. Karl Lueger, Verlag Gerlach und Wiedling, Wien 1910, S.254 – im WSTLA

8 Stadt Wien, Die Gemeindeverwaltung der k-u-k- Reichhaupt- und Residenzstadt Wien im Jahre 1908 VVII., Bericht des Bürgermeisters Dr. Karl Lueger, Verlag Gerlach und Wiedling, Wien 1910, S.249 – im WSTLA

9 WSTLA, Marktamt B52 12, Geschäftsprotokolle 1907 und 1908, 39.1

10 WSTLA, Inhaltsverzeichnis für das Amtsblatt der k.u.k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien, XIX. Jahrgang, Gesetze, Verordnungen und Entscheidungen, Nr. 51 am 28. Juni 1910, Wien 1910; S.57, IV. Kundmachung

11 Geschichte der Vorstädte und Freygründe Wiens, 1812. S. 12

12 Festschrift, S. 180

13 Ebenda

14 Siehe Metallfahne auf dem Dach des Verwaltungsgebäudes. Eröffnung des Schlachhofes 1910. In: http://de.wikipedia.org/wiki/Schlachthof_Sankt_Marx und In: www.wien-vienna.at/index.php?ID=224

15 Bevölkerungsentwicklung lt. Statistik Austria, in: http://www.carookee.de/forum/Kleeblattforum.carookee.com/33/21583648-0-01105?p=1

16 E.A. Seemann, Seemanns Lexikon der Architektur,Leipzig, 2000, S. 31

17 Fritz Baumgart, Dumont’s kleines Sachlexikon der Architektur, Köln, 1997, S. 29 f.

18 WSTLA, Marktamt B52 12, Geschäftsprotokolle 1907 und 1908, 81.3

19 WSTLA, Marktamt, Zentralviehmarkt, Normalien, Kurrenden, Kundmachungen. A51-1, Normalien 1920, Nr 98, Beilage D, Gebühren für das Schweineschlachthaus der Stadt Wien und für die Benützung der Kühlanlage dieses Schlachthauses

20 Magistrat der Stadt Wien [Hrsg.], Die Verwaltung der Stadt Wien 1976, Wien 1977, S. 218

21 Magistratsabteilung 53, Archivmeldung der Rathauskorrespondenz vom 16.12.1997 – Letzte Rinderschlachtungen in St. Marx

22 Magistrat der Stadt Wien [Hrsg.], Die Verwaltung der Stadt Wien 1976, Wien 1977, S. 193

23 Verena Kövari, Die Arena, Alternativkultur im Wien der 1970er Jahre, Wien 1997, S. 78

AU | N.S.W. | Newnes | Ölschiefer-Mine | Oil shale mine | 1921

Ancient RPPC showing Newnes, an abandoned oil shale mining site and small town of the Wolgan Valley, New South Wales, Australia.

Echtfoto-Postkarte [1] vom Juli 1921, Motiv: Ölschiefer-Mine Newnes, N.S.W., Australien.

Die Rückseits des Fotos ist wie folgt – wohl von einem deutschen Auswanderer – beschriftet:

Newnes, N.S.W.

Diese Ansicht sind die Oelwerke von hier, der reichste Platz „in Oel“ von Australien, wo Petroleum, Benzin, Ammoniak und sonstiges Maschinenoel von Shales erzogen [sic! wohl erzeugt!] werden. Australia, July 1921

Das vorliegende Foto zeigt neben zwei Kaminen eine Vielzahl an Öltanks und verfahrenstechnischen petrochemischen Einrichtungen  sowie relativ ausladene Gleisanlagen, auf denen eine Lokomotive und zwei Kranwagen zu erkennen sind.

Über die Geschichte der Mine liegen ein englischsprachiger wikipedia-Eintrag [2] und ein detailreicher Geschichtsüberblick [3] vor, letzterer enthält auch Bilder aus der Frühzeit der Mine.

Die Mine wurde 1906 durch die C.O.C. (Commonwealth Oil Corporation, Ltd) gegründet und dort erstmals 1911 Öl rektifiziert [3]. Bereits relativ früh wurde aufgrund der teilweisen Minderwertigkeit des gewonnenen Öles eine zweite Mine am Standort errichtet, auch wurde Kohle für den Betrieb der Kraftanlagen gewonnen [3].

1914 kam es zu einem Joint Venture der C.O.C .mit der John Fell & Co., Ltd. Ab 1922 wurde am Standort Newnes aus wirtschaftluichen Überlegungen kein Ölschiefer mehr gewonnen, onsern nur noch importiertes Öl im Sinne einer Raffinerie aufgearbeitet [3].

Nach wiederholten Eigentümerwechseln wurde 1934 seitens der betreibenden Gesellschaft empfohlen, den Standort aufzugeben. 1946 wurden wesentliche Teile derjenigen Anlagenteile, die nicht in der neu etablierten Raffinerie Glen Davis verwendbar waren, verschrottet. Die Ruinen sind teils bis heute erhalten. [3]

Quellen:

[1]… AK 137x87mm, deutsch beschriftet, datiert mit Juli 1921

[2]…Newnes Mine, 15.07.2016

[3]…Newnes History, 15.07.2016

AT | WU | Strombad Kritzendorf | Donau gegen GEVAERT-Film

Ein interdisziplinärer Versuch: Was ist auf einem achtzig Jahre alten Film zu sehen, den die Donau an Land gespült hat?

Die kurze Vorgeschichte:

schlot.at (MM) hat am 08.12.2015 bei Donau-Niederwasser am Strand des Strombades Kritzendorf einen im Sediment steckenden 8mm-Film der Traditionsmarke GEVAERT gefunden. Der Film war auf einer schwarz lackierten Blechspule mit der Stanzung „GEVAERT   MADE IN BELGIUM“ aufgewickelt und fast vollständig mit feinkörnigem Fluss-Sediment umgeben. Aus reiner Neugierde wurde der Film geborgen und mit dem Filmmuseum Wien Kontakt aufgenommen.

Bereits am 09.12.2015 meldete sich Paolo CANEPPELE, Leiter der Sammlungen des Filmmuseums, und bekundete Interesse an einer Sichtung des Filmmateriales. Nach Trocknung des Filmes wurde die Sichtung für 19.01.2016 vereinbart. Für den sehr erfahrenen Herrn Raoul SCHMIDT war die Arbeit mit derartigem Filmmaterial laut eigenen Angaben eine Premiere. Auf einem Sichtungstisch wurde der Film mit Spatel und Pinsel sorgfältig vom gröbsten Sediment befreit und nach und nach abgerollt. Die äußersten paar Meter trugen keinerlei belichtete Emulsion, weiter innen konnten verschwommene belichtete Teile des Filmes, jedoch ohne klares Bild, gefunden werden.

Für schlot.at und und das Filmmuseum Wien war die Sichtung eine interessante Premiere. Immerhin schaffte die Donau nicht, sämtliche belichtete Teile des ca. 80 Jahre Filmes auszuschwemmen. Im Folgenden findet sich eine kleine Dokumentation der Fund- und Aufarbeitungssituation.

Vielen Dank an Paolo CANEPPELE und Raoul SCHMIDT für die Aufgeschlossenheit und die Kooperation!

Ein Ersuchen des Filmmuseums: Wenn Sie obsoletes analoges Filmmaterial zu Hause haben, setzen Sie sich bitte mit dem Filmmuseum Wien in Verbindung.

AT | 1050 Wien | Bericht über schlot.at in der Straßenzeitung AUGUSTIN

/Menschen, die für Schlote brennen/

Ende Juni 2015 wurden wir von Hrn. Robert SOMMER, Redakteur der Straßenzeitung AUGUSTIN, betreffend eines geplanten Artikels über unser Projekt informiert. Das Ergebnis erscheint in der Ausgabe #395 vom August 2015 in einer Auflage von 40.000 Stück [1]. Vermerk am Titelblatt, Bericht auf den Seiten 10-11.

Der Bericht dreht sich um die Geschichte des Projektes, diverse persönliche Schwerpunkte und unsere Arbeitsweise, die oftmals durch Zufallsentdeckungen beeinflußt wird.

Ein kurzer Vorschau hier in der Onlineausgabe – der ganze Artikel nur analog.

[1] Danke an Robert SOMMER und die kompetente AUGUSTIN-Redaktion für die professionelle Abwicklung.

für die Redaktion

vinyl79

Ausstellung: Lehm – Glas – Wasser, Industriekultur in Brunn

Die Gruppe Schlot/schlot.at liefert erstmals seit der Gründung (2007) Objekte an eine Industrieausstellung. Die Ausstellung findet im Rahmen der Ausstellung „Industrie-Utopie“ des Brunner Kulturclubs für das Viertelfestival NÖ „Industrieviertel 2011“ statt.

Im Brunner Heimathaus (Gliedererhof, Leopold Gattringer Straße 34) werden von schlot.at  an den 4 Juliwochenenden 2011 (9., 16., 23., 30.07.2011) von 10-13 Uhr eine ganze Reihe verschiedener Glasrelikte aus der stillgelegten Brunner Glasfabrik gezeigt. Andere Glasobjekte aus Meßtechnik, Medizin und Alltagsleben geben einen kleinen Einblick in die mannigfaltigen Anwendungsgebiete dieses zeitlosen Werkstoffes. Wir ersuchen unsere User um regen Besuch und Verlassen der Website zugunsten der Ausstellung :-O

Als Erinnerung gibt es für alle Besucher originale Brunner Glasscherben, eigenhändig von schlot.at vom Gelände geborgen.   Solange der Vorrat reicht. Wir sehen uns!

Plan: Brunner Heimathaus (Gliedererhof, Leopold Gattringer Straße 34)

Weitere Infos siehe: Industrieviertel 2011 | Viertelfestival NÖ

Vorschau von ausgestellten Objekten:

Anbei die offizielle Objektliste von schlot.at zur Ausstellung: Weiter…

AT | GF | Raasdorf-Pysdorf | „Phönixwerk“ Johann Lachout | Blitzschlag in Fabriksschlot

Am 27.05.2011 traf im Zuge eines heftigen Unwetters ein Blitz den Fabriksschlot des ehemaligen „Phönixwerkes“ Johann Lachout in Raasdorf. Seitens der Medien wurde zuerst Poysdorf als Ereignisort angegeben (siehe Kurier-Artikel vom 29.05.2011 anbei – danke an A. Mráz, auch auf orf.at Noe: Blitzschlag ’sprengt‘ Fabriksschlot).

Offenbar wurde die Raasdorfer Katastralgemeinde Pysdorf mit der Stadt Poysdorf verwechselt und damit der Schlot in einen anderen Bezirk projiziert.

Zu dem Blitzschlag wurde seitens schlot.at der Leiter der ALDIS  (Austrian Lightning Detection and Information System) Gerhard Diendorfer verständigt und gab folgende Stellungnahme ab (Email vom 11.10.2011)

„S.g Herr Mraz,

Vielen Dank für die Info. Laut unseren ALDIS Ortungen war ein positiver Blitzschlag mit +14kA um 20:31 am Kaminstandort geortet. Positive Blitze sind relativ selten (ca. 10% aller Blitze) sind aber vergleichsweise energiestark und damit passt das Bild des großen Schadens.
Mit freundlichen Grüßen

Gerhard Diendorfer

Dipl.-Ing.Dr. Gerhard Diendorfer
Leitung ALDIS – Austrian Lightning
Detection and Information System

OVE Österreichischer Verband für Elektrotechnik
Kahlenberger Straße 2A
1190 Wien“

Zeit, sich mit dem Standort etwas auseinanderzusetzen.

1925 scheint Johann Lachout als Erzeuger von Fruchtsäften und Obstkonserven in Wien XIV, Diefenbachgasse 25 auf, wo er auch eine Honigniederlage betrieb [1].

Das genaue Gründungsdatum des Fabriksstandortes Raasdorf konnte noch nicht eruiert werden. Es muß jedoch vor 1944 gewesen sein, denn in der Raasdorfer Konservenfabrik wurden gegen Ende des Zweiten Weltkrieges von J.L. Zwangsarbeiter eingesetzt [2] und 1943 ist der Raasdorfer Betrieb im Wiener Telefonbuch (Groß-Wien!) als Konservenfabrik (Obst-, Gemüsekonserven-, Jam-, Marmelade- und Fruchtsafterzeugung) angeführt.[3]

1959 erzeugte die Fabrik (J.L. betrieb damals ein Zweigwerk in Bruckneudorf) Obst-, Gemüse- und Fleischkonserven, ferner Marmeladen und Fruchtsäfte. Der Honigimport war nach wie vor ein Teil des Geschäftes [4].

1969 übernahm Felix Austria die Fabriken in Raasdorf und Bruckneudorf- siehe Link mit Foto [5]!
Das genaue Stillegungsdatum ist nicht bekannt.

2011 zerstört ein Blitzschlag den Schlot des ehemaligen Fabriksgeländes [6]

[1] Industrie-Compass 1925/26 Band I Österreich, Compass Verlag, Wien. 866
[2] Zeitgeschichte-Link – 30.05.2011
[3] Amtliches Fernsprechbuch Wien 1943, 276
[4] Industrie-Compass 1959 Österreich. Compass Verlag, wien. 1678
[5] Felix Austria – Foto Raasdorf – 30.05.2011
[6] FF Groß Enzersdorf – Einsatzbericht 27.05.2011 – 30.05.2011

INT | Wechsel und Kreuzungen bei Grubenbahnen

Für manche off topic, für andere sehr wichtig:

Kleiner, aber feiner Fachartikel über Wechsel und Kreuzungen bei Grubenbahnen. Allen, die sich in Bergwerken und an Freiland – Schienenkreuzungen schon Gedanken über diverse „Zusatzbleche“ neben den Schienen gemacht haben, sei diese Lektüre dringend ans Herz gelegt. Flügelschienen und Radlenker sorgen für zuverlässige Schienenwechsel, erhalten Spurkränze und gewährleisten einen sicheren Rollbetrieb in der Grube – bis heute.

Zitat:

[1] REISCH (1931): Ueber Wechsel und Kreuzungen bei Grubenbahnen. In: Werkszeitung der Oesterreichisch-Alpinen Montangesellschaft, 5. Jahrgang, 24. Heft. Generaldirektion der ÖAMG, Wien. 373-374

Werkszeitung im Eigentum des Schlot-Industriearchivbestandes.

AT | LN | Eisenerz/Münichtal | Hochöfen, Schlackenkegel, Gaskraftwerk ÖAMG

Sehr seltene Aufnahmen aus der Steiermark | Eisenerz-Münichtal, welche die dort  1901 und 1913 errichteten Hochöfen (ÖAMG) und den noch immer bestehenden Schlackenkegel (Abraummaterial der Eisenverhüttung) anno 1901 (Hochofen I im Bau),1929 bzw. um 1937 zeigen. Des Weiteren zwei Fotos des Gaskraftwerkes Eisenerz aus 1925 und 1930. Beide Fotos wurde vom Schlackenberg aus in Richtung Südosten geschossen. Das ältere Foto zeigt Schlackeverfuhrgleise auf den Kegel, das jüngere ist in der Werkszeitung der ÖAMG vom 14.08.1930 publiziert. Der Text der Kraftwerksbeschreibung stammt ursprünglich aus 1925 und wurde 1930 in zweiter Auflage publiziert.

Die Werksaufnahmen aus 1929 entstammen einer heimatkundlichen Schrift und erklären die einzelnen Teile der beiden Koks-Hochöfen. Beide Öfen wurden 1945 ausgeblasen.

Spannend ist der Vergleich des Schlackekegels (1929-1937) mit dem heutigen – er ist gegenüber 1937 zum Kegelstumpf geworden. Die gewaltigen Dimensionen sind aus dem aktuellen Luftbild ersichtlich.

Nordwestlich der Hochöfen befand sich ab 1922-24 (Errichtung) ein Gaskraftwerk, dessen Hauptgebäude noch in Grundzügen besteht. Der im Hintergrund des Fotos erkennbare Gasometer ist mittlerweile abgetragen.

schlot_map (bei Google Maps). AK auf Kodak-Papier (um 1937), Werkszeitungen (1930+1934)  und Büchlein (1929) im Besitz von schlot.at