D | C | Wollgarnspinnerei und Kammgarnfärberei Amerika

Alte AK der „Wollgarnspinnerei und Kammgarnfärberei  Amerika“. Amerika ist ein Ortsteil der Stadt Penig, Direktionsbezirk Chemnitz, ehem. DDR.AK von Kunstanstalt Franz Landgraf, Zwickau. Gelaufen 06/1938.

Eigentum schlot_archiv.

D_arnau+amerika

schlot_map (bei Google Maps)

Infos zu der Fabrik hier. Für Klickfaule ein Ausschnitt von

http://penig.de:  Abfrage vom 14.05.2009

„Am Gründonnerstag, dem 31. März 1836, erfolgte die Grundsteinlegung zur Baumwollspinnerei von Heinrich Börner, Mitbesitzer einer Kattundruckerei in Penig.
Das Territorium befand sich in gräflichem Besitz, so dass erst eine ganze Reihe Genehmigungen eingeholt werden mussten. So durften weder die Waldesstille noch das Wild durch den Fabriklärm gestört werden.
Am 15. März des Jahres 1836 schloss Börner die Kauf-, Tausch- und Erbpachtverträge mit der Gräflich Schönburgischen Herrschaft ab und kaufte später noch eine Wiese und ein Holzgrundstück aus Privathand dazu. Er pachtete die Insel in der Mulde und legte einen Mühlgraben sowie zwei Wehre an. Das Börner’sche Unternehmen geriet bereits im Jahre 1840 in Konkurs.
Das gesamte Anwesen mit allen Spinnereimaschinen erwarben nun die Gebrüder Weigel aus Chemnitz.
Wenig später, am 12. Januar 1841, ging die Fabrikanlage „teils erbpachtlich, teils eigentümlich“ in den Besitz des Kaufmannes Robert William Schmidt über. Dieser war Teilhaber der Firma I. G. Schmidt jun. Söhne in Altenburg. Er wandelte diese Fabrik in eine Wollgarnspinnerei um und erwirkte um 1850 die Herstellung und Instandhaltung eines am linken Muldeufer entlang bis an sein Fabrikgelände führenden Fahrweges.

Die Arbeiterinnen und Arbeiter kamen größtenteils aus Gebieten des gegenüberliegenden rechten Muldeufers, aus Chursdorf, Tauscha und Penig. Sie hatten einen recht unbequemen Weg durch den dichten Wald, um an ihre Arbeitsstelle zu kommen. Fuhrunternehmer hatten eine Art Berufsverkehr eingerichtet, der die vorwiegend Frauen und Mädchen mit einfachen Kutschwagen an die Mulde brachten. Der Fluss wurde anfangs über Schrittsteine überquert, bis dann ein Tonnensteg gebaut wurde. An dessen Stelle trat später ein Kahn mit Seilführung.
Man musste also erst über das „große Wasser“ fahren, um von der Chursdorf/Peniger Seite in die Wollspinnerei gelangen zu können. Bei Hochwasser wurde das Übersetzen mit dem Kahn unmöglich, die Wagen mussten umkehren. […]
Auch für Reisende, die die Fabrik aufsuchten, war der Ort schwerlich zu finden. Sie sollten vielmals gesagt haben: Die Spinnerei muss man ja förmlich entdecken – wie Amerika. Der Ortsname „Amerika“ wurde also durch den Volksmund geprägt.

Nach 1870 setzte dann der Bau der Werkskolonie ein und der Bau der Muldentalbahn ging voran.
Der kleine Ort erhielt einen Haltepunkt mit Stationsgebäude. Durch die Bezeichnung der Bahnstation wurde im Jahre 1876, mit der Eröffnung der Muldentalbahn, der Name „Amerika“ amtlich eingeführt. Eine Restauration „Amerika“ gab es zu der Zeit auch schon.
Inzwischen gab es auch eine hölzerne Bockbogenbrücke, die im Jahre 1898 durch eine eiserne Bogenbrücke ersetzt wurde.
Die Wollgarnspinnerei und Kammgarnfärberei Amerika vergrößerte sich bis in die 30-er Jahre um das Doppelte. 1933 bestand die Belegschaft aus 1.500 – 1.800 Arbeitern, Angestellten und Beamten. Es wurden fast 30.000 Spindeln bedient.

Nach 1945 wurde aus dem Strick- und Haargarnwerk die Strickgarnspinnerei Amerika und  bis zur Wende 1989 das Werk III des VEB Altenburger Wollspinnerei mit der Fabrikmarke „ALWO“. Es gab einen Betriebskindergarten, eine Konsumverkaufsstelle und eine Wäschereifür die Betriebsangehörigen. Seit 1991 ist der Betrieb geschlossen.“

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